Eine Gruppe aktivistischer Investoren, von Kritikern auch als „Treasury-Räuber“ bezeichnet, hat einen Vorschlag für ein Rückkaufprogramm für GNO-Tokenhalter bei der Gnosis DAO eingereicht. Sollte der Antrag GIP-150 angenommen werden, könnten Befürworter eine einmalige, freiwillige pro-rata Auszahlung aus dem über 220 Millionen Dollar schweren Treasury erhalten – vorausgesetzt, die Abstimmung fällt positiv aus.

Der Vorschlag kommt weniger als sechs Monate nach der Entlassung des ehemaligen Treasury-Managers KPK durch die Gnosis DAO. Der Autor des Antrags, bekannt unter dem Pseudonym Wismerhill, argumentiert, dass der GNO-Token seit Langem mit einem „anhaltenden und wachsenden Abschlag“ zum Nettoinventarwert (NAV) der Gnosis DAO gehandelt wird. Trotz einer kürzlichen Finanzierung von 22,5 Millionen Dollar für Gnosis Ltd. habe sich dieser Abschlag weiter vergrößert, während der Wertzuwachs für GNO-Inhaber „minimal“ geblieben sei.

Die Abstimmung läuft noch bis zum 12. Mai. Aktuell stimmen 65 % der rund 330.000 abgegebenen Stimmen gegen den Vorschlag – trotz einer zunächst starken Unterstützung. Die „RFV Raiders“ haben damit ein neues Ziel im Visier.

Hintergrund: Wer sind die RFV Raiders?

Die Gruppe machte bereits 2023 mit ähnlichen Vorstößen auf sich aufmerksam und erhielt den Spitznamen „RFV Raiders“ (Risk-Free Value Raiders). Damals setzten sie sich erfolgreich für Rückkaufprogramme bei Rook (5-fache Rendite), Tribe (Abwicklung von FEI) und Aragon ein – letzteres wurde schließlich gezwungen, sein Treasury in ein Förderprogramm umzuwidmen.

Auch aktuell steht mit Beefy Finance ein weiteres Projekt im Fokus der Aktivisten. Wie die Gruppe auf solche Vorwürfe reagiert, bleibt abzuwarten.

Reaktionen der DeFi-Community

Die Debatte spaltet die Community: Während einige die Logik der RFV Raiders nachvollziehen können, sehen andere darin lediglich ein Arbitragegeschäft ohne moralische Grundlage. Der DeFi-Kommentator und GNO-Inhaber Ignas räumt ein, dass „die RFV-Logik einen Punkt hat“, stimmt aber gegen den Vorschlag. Auch ivangbi, Koordinator für DeFi bei der Ethereum Foundation, lehnt den Antrag ab: Seiner Meinung nach haben GNO-Inhaber keinen „moralischen Anspruch“ auf das Treasury, solange der Token nicht explizit als „durch Vermögenswerte abgesichert“ beworben wird.

Andere zeigen weniger Verständnis für die Initiative. Sebastian Bürgel von Gnosis hinterfragt, wann aus dem „respektiertesten Builder im Ökosystem“ ein „Hedgefonds“ geworden sei. Nick Almond von Jito bezeichnet den Vorschlag sogar als klaren „Treasury-Rug-Pull“.

Etwas differenzierter äußert sich Anthony Leutenegger von Aragon – demselben Projekt, das 2023 von den RFV Raiders ins Visier genommen wurde. Er plädiert für verbesserte „programmatische Tokenhalterrechte“ als mächtiges Instrument zur Interessenangleichung.

Wie würde die Auszahlung funktionieren?

Laut dem Vorschlag sollen pro-rata-Berechnungen auf Basis von 1,3 Millionen berechtigten GNO-Tokens erfolgen. Tokens, die von Gnosis Ltd. gehalten werden, wären ausgeschlossen, da diese bereits mit DAO-Mitteln finanziert seien. Die Auszahlung würde etwa 170 Dollar pro Token betragen – fast 30 % über dem aktuellen Marktpreis von 131 Dollar.

Die Gnosis DAO hat in der Vergangenheit bedeutende Beiträge zum Ökosystem geleistet, darunter Projekte wie Safe, CoW Swap, Gnosis Pay und Gnosis Chain. Wie die Community mit diesem Spannungsfeld umgeht, bleibt eine offene Frage.

Quelle: Protos