Ein geplantes Hyperscale-Rechenzentrum in Box Elder County, Utah, könnte durch seine massive Energieaufnahme und die daraus resultierende Abwärme die lokale Ökologie schwerwiegend beeinträchtigen. Das als Stratos Project bezeichnete Vorhaben, unterstützt vom Unternehmer und TV-Persönlichkeit Kevin O’Leary, soll laut Betreibern bis zu neun Gigawatt Strom verbrauchen – mehr als das Doppelte des gesamten Strombedarfs des Bundesstaates.

Doch der Energiehunger des Rechenzentrums hat einen weiteren, unsichtbaren Preis: Neben den neun Gigawatt Strom wird die Anlage zusätzlich sieben bis acht Gigawatt in Form von Abwärme erzeugen, wie der Physikprofessor Robert Davies von der Utah State University in einer Analyse für die Salt Lake Tribune berechnet hat. Insgesamt summiert sich die thermische Belastung damit auf rund 16 Gigawatt.

Besonders problematisch ist, dass das Stratos Project vor Ort mit Gasgeneratoren betrieben werden soll, die rund um die Uhr laufen. Dadurch bleibt die Abwärme konzentriert in der Region – im Gegensatz zu herkömmlichen Kraftwerken, bei denen die Wärme über weite Strecken verteilt wird. Betroffen wäre das Hansel Valley, eine topografische Senke, die ohnehin bereits als Luftfalle fungiert.

Die Dimensionen der Auswirkungen sind kaum vorstellbar. Davies vergleicht die freigesetzte Energie mit der Wirkung von 23 Atombomben pro Tag, die in die lokale Umwelt abgegeben werden.

"Was passiert, wenn man diese Energiemenge kontinuierlich in eine solche Topografie einbringt? Direkt am Nordende des Großen Salzsees, einem zusammenbrechenden Wassereinzugsgebiet. Eine Wüstenumgebung? Ein Tal?"
Um die Größenordnung greifbarer zu machen, zieht Davies einen Vergleich zu Walmart-Supercentern: Die Fläche des Stratos-Projekts entspräche etwa 2.000 dieser Großhandelsketten – doch der Energieverbrauch läge bei dem von 40.000 Supercentern oder 2.000 übereinander gestapelten Walmarts.

Die ökologischen Folgen könnten verheerend sein. Davies prognostiziert einen Anstieg der lokalen Temperaturen um fünf Grad Celsius am Tag und bis zu 28 Grad in der Nacht.

"Das wäre der Unterschied zwischen dem semi-ariden Klima Utahs und der Sahara. Die Landschaft würde sich grundlegend verändern."
Der Ökologe Ben Abbott von der Brigham Young University, der Davies’ Arbeit begutachtet hat, warnt vor einer weiteren Austrocknung der Region. Durch das schrumpfende Volumen des Großen Salzsees würde mehr Seeboden freigelegt, was die ohnehin schon bestehende Staubbelastung in der Region weiter verschärfen könnte.

Davies’ vorläufige Analyse reiht sich in eine wachsende Zahl von Studien ein, die sich mit den thermischen Auswirkungen von Rechenzentren befassen. Eine weitere Untersuchung zum Hitzeinseleffekt solcher Anlagen deutet darauf hin, dass sie das lokale Mikroklima nachhaltig verändern könnten.

Quelle: Futurism