Vor etwa zehn Jahren kehrte eine Brustchirurgin, die wir für eine Studie interviewten, nach Dubai zurück, um dort zu praktizieren. Ein Kollege hielt sie eines Tages im Krankenhausflur an und sagte: „Seit Sie wieder hier sind, sehe ich keine fortgeschrittenen Brustkrebserkrankungen mehr.“
Die Ärztin hatte diese Veränderung zunächst gar nicht bewusst wahrgenommen. In einem Interview erklärte sie uns: „Man steigt wieder ins Geschehen ein.“ Wer nach einer Ausbildung im Ausland in sein Heimatland zurückkehrt, übernimmt nicht nur die Leitung von Kliniken, sondern bildet auch Pflegekräfte aus, hält Vorträge in abgelegenen Regionen und erstellt Aufklärungsvideos – etwa zur Selbstuntersuchung der Brust, allerdings ohne diese explizit zu zeigen, da die Zensoren dies nicht zulassen würden.
Sie setzte sich zudem dafür ein, dass das Wort „Brust“ auf ihrer medizinischen Lizenz erscheint, während die Behörden stattdessen den Begriff „Brustkorb“ bevorzugten. Sie gründete eine Selbsthilfegruppe und später ein Beratungszentrum – vermutlich das einzige seiner Art im Nahen Osten. All diese Aktivitäten veränderten nachhaltig das Bild von fortgeschrittenem Brustkrebs in ihrem Land.
Die Geschichte dieser Ärztin zeigt: Die Rückkehr von Fachkräften ist oft genauso bedeutend wie die Abwanderung. Während die sogenannte „Brain Drain“-Debatte meist die negativen Folgen des Weggangs von Talenten betont, wird dabei häufig übersehen, wie Rückkehrer ihr Wissen und ihre Energie in ihre Heimatländer einbringen und dort nachhaltige Veränderungen bewirken.