Starbucks setzt auf KI – doch die Empfehlungen wirken leer
OpenAI’s ChatGPT gilt nicht als besonders provokant. Sein stets optimistischer, fast belehrender Ton wird oft als herablassend kritisiert. Doch die neue Partnerschaft zwischen Starbucks und der KI könnte diese paternalistische Haltung auf ein neues Level heben.
„Personalisierte“ Getränkeempfehlungen per KI
Angekündigt am Mittwoch, funktioniert die neue „Starbucks-App“ als Widget innerhalb von ChatGPT. Nach Aktivierung der Starbucks-Funktion können Nutzer durch Eingabe von „@Starbucks“ „personalisierte Getränkeempfehlungen“ abrufen – basierend auf Geschmack, Stimmung und Zielen.
Laut Pressemitteilung der Kaffeekette reicht dafür schon eine einfache Eingabe wie „Ich möchte etwas Frisches für den Morgenbeginn“ oder sogar absurde Wünsche wie „Empfiehl ein Getränk, das zu meinem Outfit passt“.
„Sie müssen nicht einmal den Namen eines Getränks kennen. Beschreiben Sie einfach, wie Sie sich fühlen oder wonach Ihnen ist – in eigenen Worten oder per Foto“, heißt es in der Mitteilung. „Es ist eine mühelose Entdeckung.“
Beta-Test zeigt: KI scheitert an Kreativität
Ein Beta-Tester versuchte, die KI mit ungewöhnlichen Anfragen zu testen: „Ein Getränk für das Treffen der Juggalos 2026“ oder „Ein Getränk, das zu meinem Stil passt“ – begleitet von einem Foto von Elon Musks berüchtigter Baphomet-Rüstung. Beide Male schlug die KI den „Iced Mango Dream Energy Drink“ vor und betonte: „Sie trinken nichts Halbes – Sie kommen mit Stil.“
Doch selbst bei wohlwollender Deutung bleibt unklar, welches Problem damit gelöst werden soll. Wer Schwierigkeiten hat, aus einer 10-Wort-Beschreibung eines Getränks zu wählen, sollte vielleicht das Menü überarbeiten. Die Annahme, Kunden bräuchten algorithmische Hilfe bei der Getränkewahl, reduziert sie auf Wesen, die auf maßgeschneiderte Breifütterung warten – und erschwert nur die Arbeit der Baristas, die diese unhandlichen Bestellungen umsetzen müssen.
Kaffee ist kein Algorithmus-Problem
In den meisten Ländern gilt: Nach 11 Uhr ist es Sakrileg, etwas anderes als Espresso zu bestellen – geschweige denn einen zuckerhaltigen Milchkaffee mit Sirup zu ordern. Wer bei Starbucks nicht weiß, was er will, hat ein grundlegenderes Problem, das kein Chatbot lösen kann.
Journalist und Autor Tyler King bringt es auf den Punkt:
„Wenn Sie so entscheidungsunfähig sind, dass Sie einen Chatbot brauchen, um einen Kaffee zu bestellen, sollten Sie vielleicht eine Reha machen.“
Kritik an der KI-Integration
Die Reaktionen auf die Starbucks-KI-Kollaboration sind überwiegend negativ. Nutzer werfen dem Unternehmen vor, mit der Technologie zu protzen, ohne echten Mehrwert zu bieten. Experten fragen, ob dies der richtige Weg ist, um Kunden zu binden – oder ob es sich lediglich um einen Marketing-Gag handelt.
Eines ist klar: Die KI kann zwar komplexe Fragen beantworten, scheitert aber an der einfachen Aufgabe, einen passenden Kaffee vorzuschlagen. Vielleicht liegt das Problem nicht bei den Kunden – sondern bei der Idee selbst.