Eine Mütze, die Gedanken in Echtzeit in Text umwandelt – klingt wie Science-Fiction, doch das kalifornische Startup Sabi behauptet, genau das mit seiner Sabi Cap zu ermöglichen. Das Headgear ist mit 100.000 Elektroenzephalographie-Sensoren (EEG) ausgestattet, die elektrische Signale des Gehirns erfassen und an ein KI-Modell namens Brain Foundation weiterleiten sollen. Ziel ist es, Gedanken mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Wörtern pro Minute in digitalen Text zu übersetzen.

Laut Angaben des Unternehmens wurde die zugrundeliegende KI mit Daten von 100.000 Stunden EEG-Messungen von etwa 100 Probanden trainiert. Doch die Herausforderung ist enorm: Jeder Mensch denkt und spricht anders, und die Interpretation von Gehirnwellen ist extrem komplex. Bisher hat Sabi keine unabhängigen Beweise vorgelegt, dass das Gerät wie beworben funktioniert.

„Diese Geräte müssen sofort einsatzbereit sein“, sagt JoJo Platt, Neurotech-Beraterin und externe Expertin. „Sie müssen sich an den Nutzer anpassen – nicht umgekehrt.“

Der kommerzielle Reiz liegt auf der Hand: Während implantierbare Gehirnchips wie Neuralink kaum Massenakzeptanz finden dürften, könnte eine leichte, nicht-invasive Lösung wie die Sabi Cap überzeugen. Studien deuten tatsächlich darauf hin, dass EEG-Daten für „Gedanken-zu-Text“-Technologien nutzbar sind. Eine nicht peer-reviewte Arbeit aus den Vorjahren zeigte, dass KI-Modelle, die mit EEG-Daten trainiert wurden, einen „bedeutenden Fortschritt hin zu tragbaren, kostengünstigen Gedanken-zu-Text-Systemen“ darstellen könnten – mit Anwendungen in Neurowissenschaft und Sprachverarbeitung.

Doch eine peer-reviewte Studie aus dem Fachmagazin „Scientific Reports“ aus dem letzten Jahr kommt zu einem anderen Schluss: Die Effektivität von EEG-zu-Text-Modellen sei „unklar aufgrund methodischer Einschränkungen“. Die vielversprechenden Ergebnisse früherer Experimente seien vermutlich auf oberflächliche Mustererkennung zurückzuführen – nicht auf eine echte Dekodierung von Gehirnaktivität.

Fazit: Die Gründer von Sabi könnten die Komplexität ihres Brain-Foundation-Modells deutlich unterschätzt haben. Ob die Kappe tatsächlich Gedanken lesen kann oder nur eine teure Mütze ist, wird sich erst zeigen, wenn das Produkt 2026 auf den Markt kommt.

Quelle: Futurism