Die renommierte Investigativplattform ProPublica und ihr Partner The Connecticut Mirror haben den Pulitzer-Preis für lokale Berichterstattung gewonnen. Die Jury würdigte damit eine herausragende Artikelserie, die aufdeckte, wie spezielle Abschleppgesetze in Connecticut unseriöse Unternehmen begünstigten – mit der Folge überhöhter Gebühren für Bürgerinnen und Bürger. Dies führte zu schnellen Reformen und stärkte den Verbraucherschutz.

Es ist bereits der neunte Pulitzer-Preis für ProPublica. Zudem wurden zwei weitere Serien des Mediums als Finalisten in den Kategorien Investigativer Journalismus und Erklärender Journalismus nominiert. Insgesamt zählt ProPublica damit 14 Finalisten in 18 Jahren.

Die preisgekrönte Serie „On the Hook“ enthüllte systematische Missstände bei Abschleppfirmen in Connecticut. Die Reporter Dave Altimari (CT Mirror) und Ginny Monk deckten auf, wie das Department of Motor Vehicles (DMV) durch mangelnde Kontrolle die Ausbeutung von Autofahrern ermöglichte. Besonders betroffen waren einkommensschwache Haushalte, die ihre Fahrzeuge oft innerhalb von nur 15 Tagen verloren, wenn sie die hohen Gebühren nicht schnell begleichen konnten.

Die Untersuchung zeigte, dass Abschleppfirmen Fahrzeuge systematisch unter Wert verkauften, um sie schneller zu veräußern. Zudem hielten sie persönliche Gegenstände der Besitzer als Pfand zurück – darunter Arbeitsgeräte oder Erinnerungsstücke. Ein weiteres Problem: Die Firmen ignorierten gesetzliche Vorgaben, nach denen sie die Erlöse aus Fahrzeugverkäufen an den Staat abführen müssen. Das DMV hatte jedoch kein System zur Abwicklung eingerichtet.

Die Enthüllungen lösten umgehend politische Reaktionen aus. Innerhalb von 24 Stunden kündigte die DMV-Leitung eine Überprüfung der Abschlepppraktiken an. Politiker brachten einen Gesetzesentwurf ein, der die jahrzehntealten Abschleppgesetze grundlegend reformierte. Der Entwurf passierte im Mai 2025 mit breiter parteiübergreifender Mehrheit.

Die neuen Regelungen sehen unter anderem vor, dass Abschleppfirmen vor der Entfernung eines Fahrzeugs warnen müssen (sofern keine Sicherheitsgefährdung besteht), Kreditkartenzahlungen akzeptieren und persönliche Gegenstände sofort herausgeben. Zudem wurde die Wartefrist vor einem Verkauf auf mindestens 30 Tage verlängert. Ein vom Parlament eingesetzter Sonderausschuss prüft nun auch weitere Aspekte der Abschleppregulierung. Erst kürzlich verabschiedete der Senat einen Gesetzentwurf für ein Online-Portal, über das Fahrer in Connecticut künftig ihre Ansprüche geltend machen können.

Quelle: ProPublica