Biopics gelten oft als das sicherste Genre der Filmbranche: Die Hauptfigur wird als moralisch integrer Genie dargestellt, ein paar markante Wikipedia-Fakten werden abgearbeitet, und am Ende wird das Publikum für seinen guten Geschmack belohnt. Doch der Trailer zu Tony, dem neuen A24-Biopik über den legendären Koch und Autor Anthony Bourdain, deutet an, dass dieser Film einen anderen Weg einschlägt. Regisseur Matt Johnson, bekannt für seine preisgekrönte Komödie Nirvanna the Band the Show und den überraschend scharfsinnigen Biopik BlackBerry (2023), setzt auf eine bewusst ungeschönte und selbstreflektierende Erzählweise.

Ein Biopic, das sich selbst hinterfragt

Der Trailer zeigt Bourdains frühe Jahre: als gescheiterter Schriftsteller, der aus finanzieller Not in der Küche landet, sich mit Küchenpersonal anlegt (darunter Leo Woodall aus The White Lotus und Komiker Stavros Halkias) und unter einem strengen Mentor (gespielt von Antonio Banderas) lernt. Doch statt einer klassischen Heldengeschichte wird Bourdains Weg zum Kultautor als „Coming-of-Age“-Geschichte präsentiert – eine Einordnung, die der Protagonist selbst im Film vornimmt. Als eine Figur Bourdain fragt, ob er ein „guter“ oder „schlechter“ Mensch sei, wirkt die Antwort alles andere als eindeutig. Diese Ambivalenz unterstreicht, dass Tony bewusst mit den Erwartungen an ein Biopic bricht.

Matt Johnsons unkonventioneller Stil

Johnson, dessen BlackBerry im vergangenen Jahr als einer der ungewöhnlichsten Biopics des Jahres galt, setzt auch in Tony auf eine unprätentiöse, fast schon zynische Erzählweise. Während klassische Biopics über Unternehmer wie Air oder Flamin’ Hot deren Protagonisten als geniale Visionäre inszenieren, zeigt BlackBerry die Gründer des gleichnamigen Smartphones als chaotische, oft unfähige Figuren – oder im Fall von Investor Jim Balsillie (dargestellt von Glenn Howerton) als toxische Alpha-Männchen. Diese schonungslose Ehrlichkeit passt perfekt zu Bourdain, der sich selbst nie als Heiligtum sah, sondern als jemand, der durch klare Worte und ungeschönte Beschreibungen von Essen und Kultur Aufmerksamkeit erregte.

Bourdain wurde nicht nur wegen seiner Reisen und kulinarischen Entdeckungen zur Ikone, sondern weil er es verstand, die Essenz von Gerichten in universelle Geschichten zu übersetzen – eine Fähigkeit, die ihn zum Chronisten der Menschen hinter dem Essen machte. Tony wird zwar nicht die Geschichte des scharfzüngigen, silberhaarigen Provokateurs erzählen, wie wir ihn kannten, aber der Film muss einen Weg finden, diesen Aufstieg ohne die üblichen Biopik-Klischees darzustellen. Und genau dafür scheint Johnson der richtige Regisseur zu sein.

Premieren-Termin und Ausblick

Der Film Tony soll im August 2026 in die Kinos kommen. Ob er tatsächlich eine neue Ära des Biopics einläutet, bleibt abzuwarten. Doch der Trailer deutet an: Es wird kein Film über einen Helden, sondern über einen Menschen – mit all seinen Widersprüchen.