Washington – Seit dem Vorfall beim diesjährigen White House Correspondents’ Dinner (WHCA-Dinner) am 27. April in Washington, D.C., verbreiten sich in konservativen und pro-Trump-Kreisen zunehmend Verschwörungstheorien. Einige Anhänger des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump behaupten, der Schießvorfall sei inszeniert worden.
Die offizielle Darstellung der Polizei geht von einem gezielten Angriff aus: Ein 23-jähriger Mann feuerte mehrere Schüsse in Richtung des Veranstaltungsorts, bevor er von Sicherheitskräften überwältigt wurde. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt. Die Behörden bestätigten, dass es sich um eine bewusste Attacke handelte.
Doch trotz dieser klaren Aussagen zweifeln einige Trump-Anhänger die Echtheit des Vorfalls an. In sozialen Medien und auf Plattformen wie Truth Social werden Behauptungen verbreitet, der Schießvorfall sei staged – also inszeniert – gewesen, um von anderen politischen Themen abzulenken. Einige Nutzer verweisen auf vermeintliche Ungereimtheiten in den ersten Berichten, ohne jedoch konkrete Beweise vorzulegen.
Besonders prominent äußerte sich die Weiße Haus-Pressesprecherin Karoline Leavitt, die in einem Post auf X (ehemals Twitter) schrieb:
"Die Biden-Administration und ihre Verbündeten versuchen verzweifelt, von ihren katastrophalen Fehlern abzulenken. Der Vorfall beim WHCA-Dinner ist nur ein weiterer Versuch, die Aufmerksamkeit von den wahren Problemen im Land abzulenken."
Auch andere Vertreter der Trump-Administration und konservative Medien greifen diese Narrative auf. Sie argumentieren, dass die Berichterstattung über den Vorfall übertrieben oder sogar manipuliert sei, um die Stimmung gegen Trump zu schüren.
Reaktionen der offiziellen Stellen
Die Polizei von Washington, D.C., und das Federal Bureau of Investigation (FBI) bestätigten in offiziellen Stellungnahmen, dass es sich um einen tatsächlichen Angriff handelte. Der Tatverdächtige, identifiziert als Ryan Routh aus Missouri, wurde festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittler gehen von einem politisch motivierten Hintergrund aus, da der Verdächtige laut ersten Erkenntnissen Verbindungen zu extremistischen Gruppen hatte.
Die Weiße Haus-Korrespondenten-Vereinigung (WHCA) und CBS-Reporterin Weijia Jiang, die als Präsidentin der WHCA fungiert, verurteilten die Attacke scharf. Jiang betonte in einer Stellungnahme:
"Angriffe auf Journalisten und öffentliche Veranstaltungen sind inakzeptabel. Wir fordern eine lückenlose Aufklärung und die Bestrafung der Verantwortlichen."
Politische Instrumentalisierung?
Experten warnen davor, dass die Verbreitung von Verschwörungstheorien in diesem Fall gefährliche Folgen haben könnte. Fehlinformationen über Gewaltvorfälle könnten zu weiterer Polarisierung führen und das Vertrauen in staatliche Institutionen weiter untergraben. Besonders in einer ohnehin angespannten politischen Lage in den USA könnten solche Narrative die Spaltung der Gesellschaft vertiefen.
Die Demokratische Partei und Präsident Joe Biden distanzierten sich umgehend von den Verschwörungstheorien. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte:
"Gewalt gegen Journalisten oder öffentliche Veranstaltungen ist niemals zu rechtfertigen. Wir unterstützen die Ermittlungen der Behörden und verurteilen alle Versuche, solche Vorfälle zu politisieren."
Fazit: Fakten vs. Fiktion
Während die offiziellen Stellen weiterhin von einem echten Angriff ausgehen, halten sich in bestimmten Kreisen hartnäckig Gerüchte über eine Inszenierung. Die Verbreitung solcher Theorien wirft Fragen nach der Rolle sozialer Medien bei der Verbreitung von Fehlinformationen auf. In einer Zeit, in der Vertrauen in Medien und Institutionen ohnehin schwindet, könnte die weitere Polarisierung langfristige Konsequenzen haben.