Die US-Regierung hat mit einem neuen Erlass medizinisches Cannabis auf Bundesebene neu eingestuft. Damit wird die Droge von Schedule I auf Schedule III herabgestuft – eine Entscheidung, die zwar keine vollständige Legalisierung bedeutet, aber weitreichende Folgen für Forschung und Wirtschaft hat. Der Erlass wurde am 23. April von Justizminister Todd Blanche unterzeichnet.
Die Neuklassifizierung soll vor allem zwei zentrale Vorteile bringen: Steuererleichterungen für lizenzierte Cannabisunternehmen und erleichterte Forschungsmöglichkeiten. Bisher galt medizinisches Cannabis auf Bundesebene als Schedule I-Substanz – in derselben Kategorie wie Heroin oder LSD. Diese Einstufung galt als Hindernis für wissenschaftliche Studien und behinderte die wirtschaftliche Entwicklung der Branche.
Mit der Herabstufung auf Schedule III wird Cannabis nun als Medikament mit geringem Missbrauchspotenzial eingestuft – ähnlich wie Codein-haltige Schmerzmittel. Das bedeutet:
- Unternehmen, die medizinisches Cannabis legal anbauen und verkaufen, können von Steuervergünstigungen profitieren.
- Forscher erhalten einfacher Zugang zu Cannabis für klinische Studien.
- Die Bundesregierung erkennt damit erstmals den medizinischen Nutzen der Pflanze an.
Präsident Donald Trump hatte bereits im Dezember 2024 angekündigt, die Einstufung schnell vorantreiben zu wollen. In einer Pressekonferenz betonte er, dass er zahlreiche Anrufe von Bürgern erhalten habe, die eine Lockerung der Restriktionen forderten. Justizminister Blanche erklärte in einer Stellungnahme:
„Die Entscheidung des Justizministeriums setzt Präsident Trumps Versprechen um, Amerikanern besseren Zugang zu medizinischen Behandlungsoptionen zu ermöglichen. Diese Neuklassifizierung ermöglicht Forschung zur Sicherheit und Wirksamkeit von Cannabis und bietet Patienten letztlich bessere Versorgung.“
Trotz des Fortschritts bleibt Cannabis auf Bundesebene weiterhin illegal. Die Neuregelung betrifft ausschließlich medizinisch zugelassenes Cannabis und Produkte, die von der FDA genehmigt wurden. Eine bundesweite Legalisierung steht weiterhin aus. Die Entscheidung könnte jedoch als erster Schritt in diese Richtung gewertet werden.
Die Mehrheit der US-Bundesstaaten hat bereits eigene Gesetze zur Legalisierung von Cannabis erlassen. Nur zwei Staaten – Idaho und Kansas – verbieten Cannabis in allen Formen vollständig. Dennoch mussten sich Unternehmen und Forscher bisher an die strengen Bundesgesetze halten, was zu rechtlichen Grauzonen führte.
Die Neuklassifizierung spiegelt auch die wachsende öffentliche Akzeptanz wider. Eine Umfrage von Gallup aus dem Jahr 2025 zeigt, dass die Unterstützung für eine bundesweite Legalisierung seit 2005 von 36 % auf 64 % gestiegen ist. Kritiker der Entscheidung argumentieren jedoch, dass Schedule III immer noch zu restriktiv sei und weitere Reformen nötig wären.
Die Cannabisbranche reagiert mit vorsichtigem Optimismus. Während die Neuregelung neue wirtschaftliche Chancen eröffnet, bleibt die Unsicherheit bestehen, da eine vollständige Legalisierung weiterhin fehlt. Experten erwarten, dass die für Juni geplante Anhörung des Justizministeriums weitere Klarheit bringen könnte.