Die Uniswap DAO, die dezentrale Organisation hinter der größten dezentralen Börse (DEX) Uniswap, stimmt aktuell über einen umstrittenen Vorschlag ab: die Rückforderung von rund 42 Millionen US-Dollar in UNI-Governance-Tokens, die zwischen 2022 und 2023 an Delegierte und die Uniswap Foundation verliehen wurden.

Laut Erin Koen, Autorin des Vorschlags und Governance-Leiterin bei Uniswap Labs, hat sich die Governance-Struktur von Uniswap in den letzten Monaten deutlich verändert. Die ausgeliehenen Tokens sollten ursprünglich die Teilnahme an der Governance fördern. Mittlerweile sei dieses Ziel erreicht, so Koen:

„Heute sieht die Governance-Umgebung von Uniswap völlig anders aus. UNI-Inhaber delegieren aktiv ihre Stimmen, und seit der Gründung von DUNI wurden Vorschläge im Schnitt mit etwa 75 Millionen Stimmen verabschiedet – das übertrifft das Quorum um rund 88 %.“

DUNI, eine dezentrale, nicht eingetragene Nonprofit-Organisation, ermöglicht es, On-Chain-Governance-Entscheidungen rechtlich bindend zu machen und schützt DAO-Mitglieder vor persönlicher Haftung.

Kritik an mangelnder Dezentralisierung

Der Rückforderungsvorschlag fällt in eine Zeit, in der Uniswap Labs und die Uniswap Foundation versuchen, Vorwürfe zu entkräften, die Governance des Protokolls sei nicht ausreichend dezentralisiert. Kritiker bemängeln, dass die Uniswap Foundation zu viel Einfluss ausübe und wichtige Entscheidungen oft ohne ausreichende Community-Beteiligung treffe. Zudem würden große Token-Inhaber und Risikokapitalfirmen – darunter a16z crypto – die Abstimmungen dominieren, wodurch kleinere Inhaber kaum Mitspracherecht hätten.

Selbst politische Vertreter haben die Governance-Struktur von Uniswap hinterfragt. Der demokratische Abgeordnete Sean Casten aus Illinois äußerte sich im Juni während einer Anhörung zum Clarity Act kritisch zur Dezentralisierung von Uniswap.

Maßnahmen zur Stärkung der Dezentralisierung

Als Reaktion auf die Kritik haben Uniswap Labs und die Uniswap Foundation einen Vorschlag erarbeitet, der darauf abzielt, die Anreize zwischen Labs, Foundation und DAO besser abzustimmen. Dieser wurde im Dezember von der DAO angenommen und sieht unter anderem vor:

  • Einführung von Gebühren für das Uniswap-Protokoll, deren Erlöse zum Rückkauf und zur Verbrennung von UNI-Tokens verwendet werden,
  • Beschleunigung des Protokollwachstums,
  • Zusammenschluss von Uniswap Labs und der Uniswap Foundation.

Weitere geplante Maßnahmen umfassen die Einrichtung einer rechtlichen Entität für die DAO, die Förderung der Governance-Teilnahme sowie Reformen der Abstimmungsprozesse – alles mit dem Ziel, die Dezentralisierung zu erhöhen.

Laut Daten der Abstimmungsplattform Snapshot verfügen derzeit 56 Delegierte über mehr als eine Million UNI an Stimmmacht.

Rückforderung soll Anreizfehlstellungen beheben

Die Rückforderung der verliehenen Tokens soll auch eine bestehende Fehlstellung in den Anreizen beenden. Ursprünglich wurden die Tokens an Delegierte vergeben, die sich aktiv an der Governance beteiligten. Allerdings fehlte eine Kontrolle darüber, ob diese Delegierten auch selbst ein wirtschaftliches Interesse am Protokoll hatten.

„Diese Fehlstellung sollte nicht länger bestehen, wenn der ursprüngliche Grund für ihre Einführung nicht mehr relevant ist“,
so Koen.

Die Abstimmung über den Vorschlag endet am 8. Mai. Aktuell haben bereits 53 % der Abstimmenden dafür votiert.

Quelle: DL News