Coinbase kündigt massive Stellenstreichungen an

Coinbase hat am Dienstag bekannt gegeben, 14 % seiner Belegschaft zu entlassen. CEO Brian Armstrong begründete diesen Schritt als Vorbereitung auf eine „neue Arbeitsweise“, die auf künstlicher Intelligenz basiert – und nicht als defensive Reaktion auf Marktbedingungen.

Gründe für die Restrukturierung

In einer unternehmensweiten E-Mail nannte Armstrong zwei Hauptgründe für die Entscheidung: die anhaltenden Krypto-Marktzyklen und die beschleunigte Arbeitsweise durch KI. Ingenieure bei Coinbase nutzen KI-Tools, um in wenigen Tagen zu entwickeln, wofür früher ganze Teams Wochen benötigten. Diese Effizienzsteigerung sei kein vorübergehender Trend, sondern eine dauerhafte Beschleunigung.

Finanzielle Unterstützung für betroffene Mitarbeiter

Zum Stichtag 31. Dezember 2025 beschäftigte Coinbase 4.951 Mitarbeiter. Die Zahl der betroffenen Stellen liegt bei etwa 693. US-Mitarbeiter erhalten mindestens 16 Wochen Grundgehalt sowie zwei Wochen pro Beschäftigungsjahr, ihre nächsten Aktienoptionen und sechs Monate COBRA-Krankenversicherung. Mitarbeiter mit Arbeitsvisa erhalten zusätzliche Unterstützung. Der sofortige Zugang zu Unternehmenssystemen wurde mit Verweis auf den Schutz von Kundendaten gesperrt – eine Maßnahme, die Armstrong zwar als hart, aber notwendig bezeichnete.

Historischer Kontext: Frühere Stellenstreichungen

Die aktuellen Kündigungen folgen einem Muster, das bis 2022 zurückreicht. Damals wurden im Juni 1.100 Stellen (18 %) gestrichen, als die Kryptopreise fielen und Rezessionsängste aufkamen. Im Januar 2023 folgte eine weitere Reduzierung um 20 % (950 Stellen) nach dem Zusammenbruch von FTX und einer anhaltenden Marktkontraktion. Insgesamt wurden damals über 2.100 Mitarbeiter entlassen. Armstrong präsentierte jede dieser Maßnahmen als notwendigen Schritt für ein stärkeres Unternehmen.

KI als zentraler Treiber der neuen Struktur

Im Gegensatz zu den früheren Restrukturierungen ist die aktuelle Maßnahme explizit KI-getrieben. Armstrong hat bereits Ingenieure entlassen, die sich weigerten, Tools wie GitHub Copilot und Cursor zu nutzen – trotz unternehmensweiter Lizenzen. Ein Ziel ist es, 50 % des Codes bei Coinbase durch KI generieren zu lassen. Die Logik dahinter: Wenn KI die Produktivität kleiner Teams steigert, wird ein großes Team zum Leistungshemmnis.

Neue Organisationsstruktur

Die angekündigten Veränderungen umfassen eine flachere Hierarchie mit maximal fünf Ebenen unter CEO und COO. Jeder Führungskraft muss eine aktive Rolle als „Player-Coach“ einnehmen. Traditionelle Teamstrukturen werden durch cross-funktionale „KI-native Pods“ ersetzt. Erste Experimente mit Ein-Personen-Teams, die Entwicklung, Design und Produktverantwortung vereinen, laufen bereits.

Hinweis: Die COIN-Aktie handelt aktuell bei etwa 210 US-Dollar im vorbörslichen Handel – weit entfernt von den Höchstständen Ende 2024.