Das US Cyber Command plant, die leistungsfähigsten verfügbaren KI-Modelle zu testen und einzusetzen – unabhängig von politischen Vorgaben oder dem Herkunftsland der Technologie. Dies gab der Chief AI Officer der Einheit, Brigadegeneral Reid Novotny, in einem Interview mit Axios bekannt.
Die Entscheidung unterstreicht den Fokus auf maximale Flexibilität: Cyber Command entwickelt eine Infrastruktur, die den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen KI-Modellen ermöglicht – unabhängig vom Anbieter oder der geografischen Herkunft. „Wir müssen agil bleiben, um in jeder Situation bestehen zu können“, erklärte Novotny. „Ob ein Open-Source-Modell aus China oder ein spezialisiertes System – unsere Operatoren benötigen die Freiheit, das passende Werkzeug zu wählen.“
Hintergrund: Debatten um KI-Modelle und politische Einschränkungen
Die Strategie von Cyber Command steht im Kontrast zu aktuellen Kontroversen um KI-Anbieter wie Anthropic. Das Unternehmen hält seine neuesten Modelle, darunter Mythos Preview, aufgrund potenzieller Hacking-Fähigkeiten vor staatlichen Stellen zurück. Bisher haben nur ausgewählte Behörden wie die National Security Agency (NSA) und das AI Testing Institute des Handelsministeriums Zugang – nicht jedoch die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA).
Währenddessen nutzt OpenAI die Unsicherheit und wirbt aktiv bei Bundesbehörden, Bundesstaaten und internationalen Regierungen für sein alternatives Modell GPT-4 Cyber.
Prioritäten: Agilität und risikobewusste KI-Nutzung
Novotny betonte auf dem SANS AI Cybersecurity Summit in Arlington: „Politik spielt für uns keine Rolle.“ Stattdessen liege der Fokus auf der schnellen Integration neuer Technologien und der Zusammenarbeit mit modellagnostischen Unternehmen.
Ab 2026 steht Cyber Command erstmals ein eigenes Budget für KI-Programme zur Verfügung – nach Jahren der Vorbereitung innerhalb des Pentagon und des Kongresses. Dieses Budget wird genutzt, um kommerzielle KI-Lösungen zu pilotieren und gleichzeitig eine flexible Infrastruktur aufzubauen. „Unsere Operatoren sind bereits heute bestens für den Einsatz modernster KI ausgerüstet“, so Novotny.
Einsatzbereiche: Offensive und defensive Cyberoperationen
Als erster AI Officer bei Cyber Command ist Novotny verantwortlich für die Integration von KI in sowohl offensive als auch defensive Cyberoperationen. Dazu gehört die Beschleunigung von Abläufen, die Auswertung großer Mengen an Geheimdienstdaten sowie die Übernahme von Risiken, die mit militärischen Missionen einhergehen.
„Das wahre Ziel unserer Streitkräfte ist es, in einem gewissen Rahmen weniger sicher und gleichzeitig gefährlicher zu sein“, erklärte er während einer Podiumsdiskussion.
Risikomanagement: Zivilinfrastruktur und rechtliche Rahmenbedingungen
Ein zentrales Anliegen externer Beobachter ist die Frage, ob KI-Systeme zivile Infrastruktur fälschlicherweise als Ziel identifizieren könnten. Novotny beruhigte jedoch: „Diese Risiken werden durch bestehende militärische Regeln und nicht durch neue KI-spezifische Vorschriften kontrolliert.“
Er führte aus: „Wenn wir ein Modell darauf trainieren, ein ganzes Land zu hacken, wissen wir von vornherein, welche Ziele tabu sind – Krankenhäuser, Schulen und ähnliche Einrichtungen. Wir kennen die Grenzen und stellen sicher, dass das Modell genau das tut, was wir beabsichtigen.“
„Natürlich sind wir uns der Risiken bewusst, aber wir wissen, wie wir unsere moralischen und rechtlichen Standards bei der Einführung neuer Technologien anwenden.“
Autonome Systeme: Menschliche Kontrolle bleibt entscheidend
Cyber Command testet zwar verschiedene Stufen der menschlichen Aufsicht, setzt jedoch weiterhin auf teilautonome Systeme. Eine vollständige Autonomie ohne menschliche Kontrolle lehnt die Einheit derzeit ab.