Ein ehemaliger argentinischer Senator mit der neurodegenerativen Erkrankung ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) wurde von der Krypto-Börse Binance monatelang aufgrund einer Fehlfunktion der Gesichtserkennung ausgesperrt. Esteban Bullrich, der von 2015 bis 2017 Bildungsminister unter Präsident Mauricio Macri war, berichtete, dass Binance seine Krypto-Bestände für fünf Monate einfror – während der Bitcoin-Preis von über 90.000 US-Dollar auf unter 70.000 US-Dollar fiel.

CEO Teng greift persönlich ein

Erst nach einem viralen Social-Media-Post von Bullrich, in dem er den Gründer Changpeng Zhao und den damaligen CEO Richard Teng direkt ansprach, reagierte Binance. Teng antwortete persönlich:

„Esteban, ich habe deinen Beitrag gesehen und wollte persönlich antworten. Es tut mir leid, dass das passiert ist. Ich bin entschlossen, diese Barrierefreiheitslücke für alle Nutzer zu schließen, die ähnliche Herausforderungen haben. Danke, dass du dich gemeldet hast.“
— Richard Teng (@_RichardTeng) 28. April 2026

Bullrich, der seine Diagnose im April 2021 öffentlich machte, erklärte, dass Binance keine zugänglichen Alternativen für Nutzer mit seiner Art von Behinderung anbiete. Sein Post, der direkt an die Führungsebene gerichtet war, sorgte schließlich für die notwendige Aufmerksamkeit.

Binance erreicht 300 Millionen Nutzer – doch Barrierefreiheit bleibt Problem

Laut dem argentinischen Nachrichtenportal Clarín, das den Fall aufdeckte, hatte Binance im Dezember 2025 bereits 300 Millionen registrierte Nutzer erreicht. Die Gesichtserkennung wurde 2022 eingeführt. Bullrichs Fall zeigt jedoch, dass das System nicht für progressive Erkrankungen wie ALS ausgelegt ist.

ALS führt zu einer fortschreitenden Lähmung der Muskeln, einschließlich der Gesichtsmuskulatur. Eine gut durchdachte biometrische Identitätsprüfung hätte solche Veränderungen vorhersehen müssen. Die Verzögerung kostete Bullrich wertvolle Zeit: Als sein Konto gesperrt wurde, lag der Bitcoin-Preis bei über 90.000 US-Dollar. Mittlerweile notiert er im Bereich der 70.000 US-Dollar – andere Kryptowährungen verzeichneten noch stärkere Verluste.

Binance räumt Fehler ein – aber erst nach öffentlichem Druck

Binance Argentina reagierte am selben Tag, an dem Bullrichs Post viral ging. In einer Stellungnahme hieß es, das Team nehme direkt Kontakt auf, stufe den Vorfall als Barrierefreiheitsfehler ein und danke Bullrich für seinen Hinweis. Die schnelle Reaktion wirft jedoch Fragen auf: Warum dauerte es fünf Monate, bis das Problem behoben wurde? Offensichtlich konnte die normale Support-Hotline das Problem nicht lösen.

Der Fall unterstreicht die dringende Notwendigkeit, Krypto-Plattformen inklusiver zu gestalten. Während Binance mittlerweile 300 Millionen Nutzer zählt, zeigt dieser Vorfall, dass Barrierefreiheit oft erst dann priorisiert wird, wenn öffentliche Aufmerksamkeit entsteht.

Quelle: Protos