XRP erlebt einen deutlichen Aufwärtstrend, der die traditionelle Finanzwelt und die skeptische Krypto-Community gegeneinander ausspielt. Laut Daten von CryptoSlate stieg der Token kürzlich auf über 1,46 Dollar, während sich die Spotmarkt-Indikatoren verbesserten und ETFs die stärksten Tageszuflüsse seit über vier Monaten verzeichneten. Gleichzeitig baute Ripple die Kreditkapazitäten seines institutionellen Prime-Brokerage-Geschäfts aus. Doch trotz dieser positiven Signale bleibt der Derivatemarkt – insbesondere auf Binance – skeptisch und setzt weiterhin auf fallende Kurse.
Spot-Nachfrage trifft auf Futures-Skepsis
Die Diskrepanz zwischen Spot-Nachfrage und Derivate-Positionierung prägt aktuell die Marktstruktur von XRP. US-Spot-XRP-ETFs verzeichneten am 11. Mai Zuflüsse von 25,8 Millionen Dollar – der höchste Tageswert seit Anfang Januar. Seit Mai haben die vier XRP-ETFs insgesamt über 60 Millionen Dollar an neuen Mitteln eingesammelt, seit ihrer Einführung im vergangenen Jahr sogar mehr als 1,35 Milliarden Dollar. Diese Zuflüsse bieten XRP einen regulierten Zugang, der über klassische Brokerkonten und Anlageberatungsplattformen funktioniert – ohne direkte Verwahrung auf Krypto-Börsen.
Doch während ETFs institutionellen Anlegern eine bequeme Investitionsmöglichkeit bieten, sieht die Stimmung im Derivatemarkt anders aus. Daten von CryptoQuant zeigen, dass das kumulative Volumendelta auf Binance bei etwa -434 Millionen Dollar liegt, obwohl XRP im Aufwärtstrend ist. Die Open Interest auf Binance stieg von rund 207 Millionen XRP Ende April auf fast 232 Millionen – ein Zeichen dafür, dass die Hebelwirkung nach einer kurzen Pause zurückkehrt.
Nicht nur Binance verzeichnet steigende Open Interest: Am 11. Mai stiegen die offenen Positionen um 18 Millionen Dollar auf Binance, 10,4 Millionen Dollar auf OKX und 8,5 Millionen Dollar auf Bybit – insgesamt fast 36,9 Millionen Dollar. Normalerweise bestätigt steigende Open Interest einen Trend, wenn auch die Spot-Nachfrage wächst. Doch bei XRP ist die Situation komplexer: Das geschätzte kumulative Volumendelta auf zentralen Börsen liegt bei etwa 575 Millionen Dollar, obwohl der Token steigt. Das deutet darauf hin, dass der Rallye noch keine breite, klare Spot-Nachfrage zugrunde liegt.
Funding-Raten zeigen anhaltende Skepsis
Die Spannung zwischen Spot und Derivaten spiegelt sich auch in den Funding-Raten wider. Auf Binance weisen die XRP-Funding-Raten seit fast drei Monaten eine bearishe Tendenz auf, obwohl der Token in diesem Zeitraum rund 27 Prozent zugelegt hat. Negative Funding-Raten bedeuten, dass Short-Positionen Long-Positionen dafür bezahlen, ihre bearishen Wetten offen zu halten.
Ripple stärkt das Ökosystem mit Wall-Street-Krediten
Diese bearishe Haltung im Futures-Markt trifft auf eine wachsende institutionelle Infrastruktur rund um Ripple. Am 11. Mai gab das Unternehmen bekannt, eine mit Vermögenswerten besicherte Kreditlinie über 200 Millionen Dollar von verwalteten Fonds erhalten zu haben. Diese Finanzspritze soll die Kreditkapazitäten des institutionellen Prime-Brokerage-Geschäfts von Ripple weiter ausbauen und institutionellen Investoren mehr Vertrauen in das Ökosystem geben.
„Die Kombination aus steigender Spot-Nachfrage durch ETFs und der wachsenden institutionellen Infrastruktur könnte XRP langfristig stärken – selbst wenn der Derivatemarkt weiterhin skeptisch bleibt.“
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass XRP zu einem Testfall dafür wird, ob traditionelle Finanzinfrastruktur und regulierte Anlageprodukte die Oberhand über eine noch immer skeptische Derivate-Community behalten können. Während ETFs und institutionelle Investoren zunehmend in XRP einsteigen, bleibt die Frage, ob dieser Trend nachhaltig ist – oder ob die bearishen Futures-Positionen am Ende doch die Oberhand gewinnen.