Ein gebrochener Arm oder ein gebrochenes Handgelenk bringt nicht nur Schmerzen mit sich, sondern auch den lästigen Begleiter: einen schweren, heißen und juckenden Gipsverband. Duschen wird zur Qual, Schwimmen ist unmöglich. Doch in Singapur haben Patienten nun eine moderne Alternative – einen offenen, 3D-gedruckten Gips, der bequemer zu tragen ist und sogar wasserfest bleibt.

Hinter dem innovativen Produkt steht das in Singapur ansässige Start-up Castomize. Der Gips ist nicht nur komfortabler, sondern auch einfacher in der Anwendung für Ärzte. Um ihn anzulegen, erwärmt das medizinische Team den Gips zunächst, wodurch er weich und flexibel wird. Anschließend wird er um den Arm gewickelt und mit kleinen integrierten Schnallen fixiert. Beim Abkühlen härtet er in der gewünschten Position aus.

Im Vergleich zu herkömmlichen Gipsverbänden, die aus bis zu zehn verschiedenen Materialien bestehen und zahlreiche Arbeitsschritte erfordern, ist das Verfahren deutlich effizienter. „Ärzte müssen darauf achten, den Gips weder zu straff noch zu locker anzulegen, da beides zu Komplikationen wie Druckstellen führen kann“, erklärt Abel Teo, CEO von Castomize. Bei Problemen oder wenn sich der Gips mit der Zeit lockert, muss der Patient erneut zum Arzt – und das Krankenhaus trägt die Kosten. Mit dem neuen Gips kann der Arzt stattdessen einfach den alten entfernen, ihn erwärmen und bei Bedarf neu anpassen.

Obwohl die Herstellung des 3D-gedruckten Gipses etwa 30 bis 50 Prozent teurer ist als ein herkömmlicher Fiberglasverband, können Kliniken langfristig Kosten sparen. In einer Studie erzielte ein Krankenhaus in Singapur durchschnittliche Einsparungen von 25 Prozent. Zukünftig plant Castomize sogar eine Reinigungsmethode, die es ermöglichen soll, die Gipse mehrfach wiederzuverwenden.

Das Unternehmen bezeichnet sein Verfahren als „4D-Druck“, da der Gips nach dem Druckvorgang durch die vierte Dimension – die Zeit – seine endgültige Form annimmt. Im Gegensatz zu ähnlichen Produkten wie ActivArmor, das auf 3D-Scans für eine individuelle Passform setzt, bietet Castomize standardisierte Größen für Erwachsene und Kinder an. Dadurch werden Zeit und Kosten gespart.

Die Idee entstand 2017 als Studentenprojekt an der Singapore University of Technology and Design. Einer der Mitgründer, Johannes Sunarko, entwickelte das Konzept 2021 in seiner Masterarbeit weiter und gründete gemeinsam mit Eleora Teo und Abel Teo (keine Verwandtschaft) das Start-up zur Serienproduktion. Nach erfolgreichen klinischen Tests, die die Wirksamkeit als Ersatz für herkömmliche Handgelenksgipse bestätigten, erhielt das Produkt die Zulassung als Medizinprodukt in Singapur und kam letztes Jahr auf den Markt. Auch in Australien, Südkorea und Taiwan ist der Gips bereits erhältlich. Aktuell strebt Castomize die FDA-Zulassung in den USA sowie das CE-Kennzeichen für Europa an. Kürzlich erweiterte das Unternehmen sein Sortiment um Modelle für Knöchel und Ellenbogen – jeder Körperteil erfordert ein eigenes Design. „Wir arbeiteten eng mit Fachärzten für Knochenbrüche und Gipsverbände zusammen und testeten verschiedene Geometrien sowie Materialkombinationen“, so Abel Teo.