Vom Pleitekandidaten zum KI-Star: Allbirds schreibt Börsengeschichte
Drei Worte reichen aus, um ein finanziell marodes Unternehmen in den Fokus der New York Stock Exchange zu rücken: „Pivot zu AI“. Der einstige Tech-Bro-Schuhhersteller Allbirds kündigte heute an, einen 50-Millionen-Dollar-Deal abzuschließen, der das Unternehmen in die KI-Infrastruktur führen soll. Unter dem neuen Namen „NewBird AI“ plant das Unternehmen, schwer erhältliche KI-Chips zu kaufen und Rechenleistung an Tech-Startups als „vollintegrierten GPU-as-a-Service“ zu vermieten.
Eine radikale Kehrtwende: Noch vor zwei Wochen hatte Allbirds seine gesamte geistige Eigentumsrechte und Vermögenswerte für nur 39 Millionen Dollar verkauft – ein Bruchteil seines einstigen Marktwerts von vier Milliarden Dollar. Doch der Sprung auf den KI-Zug scheint die finanziellen Probleme vergessen zu lassen. Die Aktie schoss um über 700 Prozent in die Höhe, bevor sie sich bei etwa 17 Dollar stabilisierte – ein Anstieg von weniger als sieben Dollar am Morgen.
Der KI-Hype überlagert fundamentale Probleme
Der spektakuläre Kursanstieg zeigt ein bekanntes Muster: Investoren jagen weiterhin nach dem nächsten großen KI-Hype, selbst wenn die Branche kaum Profitabilität vorweisen kann. „Wenn Sie nicht glauben, dass wir in einer Blase stecken, leben Sie in einer Traumwelt“, kommentierte der KI-Skeptiker Ed Zitron auf die Nachricht. Die Realität spielt für die Börse kaum noch eine Rolle – stattdessen wird geglaubt, dass selbst ein gescheiterter Schuhhersteller plötzlich zum KI-Riesen werden kann.
Der Zugang zu Rechenleistung ist längst zum Statussymbol der Tech-Elite geworden. OpenAI etwa plant, bis Ende des Jahrzehnts Dutzende Gigawatt an Rechenleistung online zu bringen – genug, um Millionen US-Haushalte zu versorgen. Rivalen wie Anthropic können da kaum mithalten.
Soziale Medien reagieren mit Hohn und Spott
Die plötzliche Metamorphose von Allbirds sorgte für Kopfschütteln und Spott im Netz. David Corn, Journalist bei Mother Jones und MSNBC-Korrespondent, schrieb auf Bluesky:
„Ich mag meine Allbirds. Ich brauche sie nur nicht, um mir Börsenprognosen zu liefern.“
Ben Collins, CEO des Satire-Magazins The Onion, kommentierte sarkastisch:
„Nichts sagt ‚America is Back, Baby!‘ wie: Allbirds wurde zum KI-Hardware-Makler, weil sie lieber ihre Aktie pumpten, statt in den Bankrott zu gehen. Sie finden irgendwo Computerchips, können aber keine Schuhe mehr verkaufen.“
Kritiker warnen vor der KI-Blase
Experten mahnen seit Langem, dass die KI-Branche trotz massiver Investitionen in Infrastruktur kaum nachhaltige Gewinne erzielt. Die jüngsten Entwicklungen bei Allbirds unterstreichen diese Bedenken. Während die Börse jubelt, bleibt die Frage: Wie lange hält der Hype an, bevor die Realität einholt?
Eines ist sicher: Der Fall Allbirds zeigt, dass an der Wall Street nicht mehr nur Zahlen zählen – sondern die richtigen Buzzwords.