Amazon hat offiziell eingeräumt, dass sein hauseigenes KI-Code-Tool Kiro nicht den Anforderungen der eigenen Mitarbeiter entspricht. Dies geht aus internen Mitteilungen hervor, die Business Insider einsehen konnte.
Noch im November letzten Jahres hatte das Unternehmen seine Belegschaft in einem internen Memo aufgefordert, Kiro gegenüber externen Alternativen wie denen von OpenAI oder Anthropic zu bevorzugen. Damals hieß es: „Während wir bestehende Tools weiterhin unterstützen, planen wir keine zusätzliche Unterstützung für weitere KI-Entwicklungstools von Drittanbietern.“
Doch die Realität hat Amazon eingeholt. Angesichts wachsender Unzufriedenheit unter den Entwicklern, die sich über die eingeschränkten Funktionen von Kiro beschwerten, sieht sich das Unternehmen nun gezwungen, Zugeständnisse zu machen. Jim Haughwout, Vice President für Software-Entwicklererfahrung bei Amazon, bestätigte in einer internen Nachricht, dass Anthropic’s Claude Code ab sofort über AWS Bedrock verfügbar sein wird. OpenAI’s Codex soll in der kommenden Woche folgen.
Warum der Rückzieher?
Die Entscheidung unterstreicht die wachsende Frustration der Entwickler, die sich über die mangelnde Leistungsfähigkeit von Kiro beklagten. Einige Mitarbeiter äußerten sich in internen Kommentaren besorgt über die Glaubwürdigkeit des Unternehmens: „Kunden fragen sich, warum sie einem Tool vertrauen sollten, das wir selbst nicht für den internen Gebrauch freigegeben haben.“
Zudem hatte Amazon erst kürzlich zugegeben, dass Ausfälle in seinen Systemen auf fehlerhaften KI-generierten Code zurückzuführen waren. Dies verschärfte die Kritik an der eigenen Lösung weiter. Trotz dieser Rückschläge betont ein Amazon-Sprecher, dass 83 Prozent der Ingenieure im Unternehmen weiterhin Kiro nutzen – das Tool bleibt also vorerst das Hauptwerkzeug.
Strategische Abhängigkeiten und Wettbewerbsdruck
Die Kehrtwende Amazons ist auch vor dem Hintergrund seiner Investitionen in externe KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI bemerkenswert. Beide Unternehmen liefern sich einen erbitterten Wettstreit um die Vorherrschaft im schnell wachsenden Markt für KI-Codegenerierung – ein Bereich, in dem Amazon mit Kiro bisher kaum mithalten konnte.
Die Entscheidung, nun doch auf externe Tools zu setzen, wirft zudem Fragen über Amazons eigene KI-Strategie auf. Das Unternehmen setzt stark auf Cloud-Dienste und Skalierung, doch die internen Tools scheinen diesem Anspruch nicht gerecht zu werden. Die Integration von Codex und Claude Code über AWS Bedrock könnte zwar die Produktivität steigern, offenbart aber gleichzeitig die Grenzen von Kiro.
„Um Ihnen zu helfen, mehr für unsere Kunden zu erfinden, erweitern wir die verfügbaren KI-Tools.“
Jim Haughwout, VP bei Amazon
Ausblick: Kiro bleibt, aber die Konkurrenz zieht nach
Während Amazon mit der Einführung von Codex und Claude Code einen Teil der Forderungen erfüllt, bleibt Kiro weiterhin das primäre Werkzeug für die meisten Entwickler. Ob dies langfristig ausreicht, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, bleibt jedoch fraglich. Die Abhängigkeit von externen Lösungen könnte Amazons Ambitionen, eine führende Rolle im KI-Bereich einzunehmen, weiter erschweren.