George Orwells Novelle Animal Farm (1945) ist ein zeitloser Klassiker: Eine düstere Parabel über Macht, Korruption und Revolution, in der farmtiere zunächst gegen ihren grausamen Besitzer rebellieren, um schließlich selbst in eine neue Form der Unterdrückung zu fallen. Die Geschichte der manipulativen Schweine, die die anderen Tiere ausbeuten, ist eine klare Allegorie auf die Russische Revolution und ein Meisterwerk der politischen Literatur. Doch Andy Serkis‘ Animationsfilm-Adaption wirkt wie eine stark vereinfachte Version des Originals – mit neuen Charakteren und einem überraschend optimistischen Ende.

Was bleibt vom Original?

Serkis‘ Film übernimmt die Grundhandlung: Die Rebellion der Tiere, die Machtübernahme durch die Schweine Napoleon (Seth Rogen) und Snowball (Laverne Cox) sowie das tragische Schicksal des Arbeitspferds Boxer (Woody Harrelson). Selbst das berühmte Finale, in dem die Schweine sich immer mehr den ursprünglichen Menschen angleichen, ist erhalten. Doch statt der düsteren Atmosphäre des Buches setzt der Film auf eine moderne, fast schon fröhliche Optik – und verliert dabei die politische Tiefe des Originals.

Neue Charaktere, neue Probleme

Der größte Unterschied: Der junge Schweine Lucky (Gaten Matarazzo) dient als Identifikationsfigur für das junge Publikum. Er kommentiert die Ereignisse in einer Weise, die an eine übererklärende Schulstunde erinnert. „Seht ihr, das ist falsch!“, scheint er den Zuschauern ständig zuzurufen. Diese didaktische Herangehensweise wirkt nicht nur unnötig, sondern untergräbt die subtile Ironie von Orwells Text.

Auch die Modernisierung der Handlung hat ihren Preis. Statt der historischen Allegorie auf die Russische Revolution wird Napoleons Herrschaft nun direkt mit modernen Populisten wie Donald Trump verglichen. Das mag auf den ersten Blick naheliegend wirken, doch die Umsetzung wirkt plump: Squealer (Kieran Culkin) wird zu einem kläffenden Ja-Sager degradiert, während Napoleon mit übertriebenen Twitter-ähnlichen Parolen regiert. Die politische Schärfe des Originals geht dabei verloren – stattdessen entsteht eine oberflächliche Satire, die kaum mehr als ein schwacher Abklatsch ist.

Ein Happy-End, das alles verrät

Doch das größte Problem ist das Ende. Orwells Novelle endet mit einer düsteren Erkenntnis: Die Revolution ist gescheitert, die neuen Herrscher sind genauso korrupt wie die alten. Serkis‘ Film hingegen präsentiert ein überraschend versöhnliches Finale, in dem die Tiere am Ende doch noch Hoffnung schöpfen. Diese Veränderung mag für ein junges Publikum gedacht sein – doch sie zerstört den Kern der Geschichte. Eine Parabel über die Unvermeidlichkeit von Machtmissbrauch verliert ihre Aussagekraft, wenn die Moral plötzlich lautet: „Am Ende wird alles gut.“

Fazit: Unterhaltsam, aber ohne Biss

Andy Serkis‘ Animal Farm ist weder eine gelungene Adaption noch eine überzeugende Modernisierung von Orwells Werk. Die Animation ist ansprechend, die Stimmen der Synchronsprecher (neben Rogen und Harrelson auch Benedict Cumberbatch als Erzähler) sind gut gewählt. Doch der Film verzichtet auf die politische Tiefe und die düstere Ironie des Originals – und ersetzt sie durch eine harmlose, fast schon naive Botschaft. Wer Orwells Novelle kennt, wird enttäuscht sein. Wer eine kindgerechte Version sucht, bekommt zwar eine unterhaltsame, aber letztlich bedeutungslose Unterhaltung.

Animal Farm sollte eine Warnung sein – doch Serkis‘ Film wirkt wie eine Entwarnung.“
Quelle: The Wrap