Der US-amerikanische Elektroauto-Hersteller Bollinger Motors steht vor dem Aus: Ein US-Gericht hat die Zwangsversteigerung der Unternehmenswerte angeordnet, nachdem das Unternehmen mehrere Zulieferer nicht bezahlt hatte. Im Rahmen der Liquidation werden nun Produktionsanlagen, Werkzeuge und 20 Exemplare des Bollinger B4 – eines elektrischen Klasse-4-LKWs – zum Verkauf angeboten.
Zu den versteigerten Assets gehören unter anderem Batterietest- und Validierungssysteme, Hebebühnen, Werkzeuge sowie weitere Fahrzeuge und Lagerbestände. Die Auktion findet online statt, wobei der genaue Zeitpunkt noch nicht feststeht.
Bollinger in finanziellen und rechtlichen Turbulenzen
Die Probleme des Unternehmens reichen jedoch tiefer: Die Michigan Economic Development Corp. fordert rund 1 Million US-Dollar aus einem 2023 an Bollinger ausgezahlten Zuschuss von 3 Millionen US-Dollar zurück. Damals hatte das Unternehmen zugesagt, 44 Millionen US-Dollar in den Standort Detroit zu investieren und 237 Arbeitsplätze zu schaffen. Stattdessen häufen sich nun Klagen wegen ausstehender Löhne und Sozialleistungen.
Laut Crain’s Detroit wurden Dutzende Beschwerden bei der Abteilung für Arbeit und wirtschaftliche Chancen des Bundesstaates Michigan eingereicht. Die Behörde prüft nun mögliche rechtliche Schritte gegen Bollinger.
Gründer kauft IP zurück – Hoffnung auf Comeback?
Trotz des Scheiterns könnte Bollinger Motors eine zweite Chance erhalten: Unternehmensgründer Robert Bollinger hat kürzlich die geistigen Eigentumsrechte sowie Prototypen der Modelle B1 und B2 – zwei elektrische Geländewagen – für weniger als 250.000 US-Dollar zurückerworben. Dies geschah nach einer Anordnung des Gerichts in Ohio, das das Unternehmen unter Zwangsverwaltung stellte.
Ob Bollinger tatsächlich eine Neuauflage der B1 und B2 plant, ist noch unklar. Robert Bollinger äußerte gegenüber The Detroit News, dass er im EV-Markt weiterhin eine Nische für robuste, geländegängige Fahrzeuge sehe. Ob sich diese Einschätzung angesichts der aktuellen Entwicklungen bewahrheitet, bleibt abzuwarten.
Hintergrund: Bollingers gescheiterte EV-Strategie
Bollinger Motors war einst als Hoffnungsträger für elektrische Nutzfahrzeuge gestartet. Mit den Modellen B1 und B2 wollte das Unternehmen robuste, geländegängige Elektroautos anbieten. Doch trotz einer Fusion mit Mullen Automotive im Jahr 2023 gelang es nicht, die finanziellen Hürden zu überwinden. Die Branche zeigt sich gespalten: Während Marken wie Rivian und Lucid erfolgreich expandieren, scheitern viele kleinere Hersteller an den hohen Entwicklungskosten und der Konkurrenz.