Der britische Milliardär Christopher Harborne, der in Thailand lebt und dort als Chakrit Sakunkrit bekannt ist, kontrolliert einen Anteil von 12 % an Tether, dem Unternehmen hinter dem weltweit größten Stablecoin USDT mit einem Umlaufvolumen von rund 184 Milliarden US-Dollar. Laut einer Untersuchung des Guardian ist er zudem der größte Einzelspender in der Geschichte der britischen Parteipolitik: Seit 2019 hat er über 24 Millionen Pfund an die Partei Reform UK und ihre Vorgängerorganisationen überwiesen.
Harbornes Spenden fallen mit der pro-krypto-Politik von Reform UK zusammen, die von Nigel Farage geführt wird. Die Partei fordert unter anderem eine staatliche Bitcoin-Reserve, eine pauschale Kapitalertragssteuer von 10 % auf Krypto-Investitionen und eine Deregulierung des Digital-Asset-Sektors. Zudem lehnt Reform UK geplante Beschränkungen für Stablecoins durch die Bank of England ab und argumentiert, private Stablecoins sollten gefördert werden, während eine staatliche Digitalwährung der Zentralbank „beispiellose Kontrolle“ über Finanzaktivitäten ermöglichen würde.
Ein Milliardär ohne UK-Wohnsitz finanziert britische Politik
Harborne, der seit 1996 in Thailand lebt und dort die thailändische Staatsbürgerschaft besitzt, hat sein Vermögen durch frühe Investitionen in Kryptowährungen aufgebaut. Er kaufte bereits 2011 Bitcoin und wurde 2014 zu einem der größten Ethereum-Investoren. Sein 12 %-Anteil an Tether, einem Unternehmen mit geschätzten 10 Milliarden US-Dollar Jahresgewinn, macht ihn zu einem der reichsten Krypto-Investoren weltweit. Seine Anwälte betonen jedoch, dass er ein passiver Investor ohne operative oder gestalterische Rolle im Unternehmen ist.
Trotz seiner Distanz zum Tagesgeschäft von Tether hat Harborne durch seine Spenden direkten Einfluss auf die britische Politik genommen. Allein im Dezember 2025 überwies er 9 Millionen Pfund an Reform UK – die größte Einzelspende einer lebenden Person an eine britische Partei, wie die Wahlkommission bestätigte. Im März 2026 folgten weitere 3 Millionen Pfund. Insgesamt macht sein Engagement etwa zwei Drittel der gesamten Finanzierung aus, die Reform UK jemals erhalten hat.
Regierung plant strengere Regeln für politische Spenden
Die britische Regierung reagiert nun auf die wachsende Besorgnis über die Einflussnahme wohlhabender Einzelpersonen mit globalen Vermögenswerten. Besonders die Verbindung zwischen Harbornes Krypto-Vermögen und der pro-krypto-Politik von Reform UK wirft Fragen auf: Handelt es sich um strategische Interessenvertretung oder um rationale Selbstoptimierung?
Die geplante Reform der politischen Finanzierungsgesetze zielt darauf ab, Schlupflöcher zu schließen, die durch Krypto-Vermögen und internationale Investoren entstehen. Bisher waren die Regeln nicht auf die Besonderheiten digitaler Assets ausgelegt. Kritiker bemängeln, dass bestehende Vorschriften es reichen Einzelpersonen ermöglichen, über Offshore-Konten oder komplexe Stiftungsstrukturen Einfluss auf die Politik zu nehmen – ohne dass Herkunft oder Motive transparent gemacht werden müssen.
Die neue Gesetzgebung könnte unter anderem vorsehen, dass Spender mit Wohnsitz außerhalb des Vereinigten Königreichs strengere Nachweispflichten erfüllen müssen. Zudem sollen digitale Vermögenswerte wie Kryptowährungen oder Stablecoins explizit in die Regelungen einbezogen werden, um Geldwäsche und undurchsichtige Finanzströme zu verhindern.
„Die aktuellen Regeln waren nicht für die Realität des 21. Jahrhunderts gemacht. Wenn Milliardäre mit Krypto-Vermögen britische Politik beeinflussen, ohne hier zu leben oder Steuern zu zahlen, wird das demokratische System verzerrt.“
– Transparenz-Experte
Reform UK: Zwischen Anti-Establishment und Krypto-Lobbyismus
Reform UK, ehemals Brexit Party, hat sich in den letzten Jahren als Stimme des Anti-Establishment etabliert. Mit Forderungen nach weniger Regulierung, niedrigeren Steuern und einer Ablehnung zentralbankgestützter Digitalwährungen spricht die Partei vor allem euroskeptische und libertäre Wähler an. Gleichzeitig profitiert sie von der wachsenden Popularität von Kryptowährungen, die besonders in der jüngeren Generation an Bedeutung gewinnen.
Harbornes Engagement wirft jedoch grundsätzliche Fragen auf: Sollte politische Einflussnahme an eine physische Präsenz im Land geknüpft sein? Und wie können demokratische Prozesse geschützt werden, wenn Vermögen durch globale, schwer regulierbare Märkte generiert wird?
Die britische Regierung steht vor der Herausforderung, Transparenz und Fairness zu gewährleisten, ohne Innovationen im Finanzsektor zu behindern. Die Debatte über Harbornes Spenden könnte dabei zum Katalysator für eine grundlegende Reform der politischen Finanzierungsgesetze werden.