Die Verbreitung von KI-Textgeneratoren hat es auch unentschlossenen oder faulen Schreibern ermöglicht, in Sekunden perfekt formulierte E-Mails oder Schulaufsätze zu erstellen. Doch dieser Vorteil hat einen entscheidenden Nachteil: Immer mehr Empfänger erkennen KI-generierte Texte sofort an ihrer makellosen Struktur und Sprache.
Um diesem Problem zu begegnen, hat der Risikokapitalgeber Ben Horwitz ein ungewöhnliches Tool entwickelt. Mit seinem Browser-Plugin Sinceerly – eine Anspielung auf den populären KI-Grammatikprüfer Grammarly – fügt es gezielt Tippfehler in Texte ein, um sie menschlicher wirken zu lassen. „Ich habe den Anti-Grammarly gebaut“, erklärte Horwitz stolz. „Verschlimmbessere deine E-Mails mit KI.“
Wie Sinceerly funktioniert
Das Plugin manipuliert Texte auf verschiedene Weise, um sie natürlicher erscheinen zu lassen. Dazu gehören:
- Das Entfernen von Großbuchstaben am Satzanfang
- Das Einfügen offensichtlicher Tippfehler
- Die Anpassung des Fehlerniveaus – von „dezent“ bis „CEO“ (eine humorvolle Anspielung auf Führungskräfte, die oft nachlässig kommunizieren)
- Das automatische Anhängen von „Gesendet von meinem iPhone“
Die Idee entstand aus Horwitz’ Frustration über die allgegenwärtigen Grammatikprüfungen, die selbst kleinste Fehler unterbinden. „Ich bin ein schlechter Tippfehler und leicht dyslexisch“, erklärte er Business Insider. „Früher brauchte ich ewig, um fehlerfreie E-Mails zu schreiben.“ Mit Grammarly wurde das einfacher – doch nun dominieren KI-generierte Texte seinen Posteingang, die oft zu perfekt wirken.
Erfolgreicher Test mit CEOs
Horwitz testete Sinceerly, indem er fünf Fortune-500-CEOs per Kalt-E-Mail kontaktierte. Das Ergebnis: Vier antworteten, zwei davon mit Tippfehlern in ihren Antworten. Auch Business Insider testete das Plugin und stellte fest, dass aus einer höflichen E-Mail wie „Ich hoffe, heute Mittag ein Sandwich essen zu können“ in der „CEO“-Einstellung plötzlich ein vager Satz wie „Ich schreibe, um Mittagspläne zu bestätigen“ wurde.
Technische Probleme und Grenzen
Doch die Euphorie über das Tool währte nicht lange. Nach der Veröffentlichung des Artikels von Business Insider traten technische Fehler auf, die Sinceerly weitgehend unbrauchbar machten. Nutzer erhielten Fehlermeldungen, sodass sie vorerst auf ihre eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten angewiesen sind, um KI-Texte natürlicher wirken zu lassen.
„Die Idee ist zwar charmant, aber die Umsetzung bleibt vorerst ein Experiment.“
Trotz der aktuellen Einschränkungen zeigt Sinceerly, wie sehr sich die Kommunikation durch KI verändert hat – und dass selbst kleine Fehler manchmal den Unterschied machen können.