Ein Kea mit besonderer Geschichte

Bruce, ein Kea – ein in Neuseeland heimischer alpiner Papagei –, verlor als Jungtier durch einen Unfall seinen gesamten Oberkiefer. Doch statt sich von seiner Gruppe zurückzuziehen, entwickelte er eine einzigartige Methode, um in seiner „Zirkus“-Gemeinschaft (so der Fachbegriff für Kea-Gruppen) die Führungsrolle zu übernehmen.

„Beak-Jousting“: Bruce’s Weg zur Dominanz

Laut einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachjournal Current Biology, erreichte Bruce seinen Alpha-Status durch eine ungewöhnliche Kampfstrategie: Er „joustete“ mit dem, was von seinem Schnabel übrig blieb. Diese Methode ermöglichte es ihm, sich gegen Artgenossen durchzusetzen und seine Position zu festigen.

Selbst erfundene Lösung: Bruce nutzt Steine zum Putzen

Bereits 2021 untersuchte das Kea Animal Minds Lab an der Universität Auckland das Verhalten von Bruce und anderen keas ohne körperliche Einschränkungen. Dabei stellten die Forscher fest, dass Bruce eine innovative Methode entwickelte, um seinen fehlenden Oberkiefer auszugleichen: Er nutzt kleine Steine, um sein Gefieder zu putzen.

Dazu klemmt er die Steine zwischen Unterkiefer und Zunge und reibt sie über sein Gefieder. Andere keas spielten zwar ebenfalls mit Steinen, doch sie nutzten größere Exemplare und putzten sich damit nicht. Bruce’ Verhalten war also eine eigenständige Lösung – ohne Nachahmung durch Artgenossen.

Die Forscher werteten dies als Beweis für die hohe Problemlösungsfähigkeit von Keas und möglicherweise sogar als Beispiel für den gezielten Einsatz von Werkzeugen. Aus diesem Grund verzichteten seine Pfleger im Willowbank Wildlife Reserve darauf, ihm eine Prothese anzupassen. Eine solche Maßnahme hätte Bruce nur zusätzlichen Stress bereitet und ihn gezwungen, sein angepasstes Verhalten erneut umzustellen.

Warum Bruce keine Prothese erhielt

„Eine Prothese hätte Bruce’ natürliche Anpassungsfähigkeit untergraben. Er hat bewiesen, dass Keas in der Lage sind, kreative Lösungen für körperliche Herausforderungen zu finden. Das wäre mit einer Prothese nicht mehr möglich gewesen.“

— Forscher des Kea Animal Minds Lab

Ein Symbol für Anpassungsfähigkeit

Bruce’ Geschichte zeigt, wie Tiere mit körperlichen Einschränkungen durch Kreativität und Intelligenz ihren Platz in der Gruppe behaupten können. Sein Fall unterstreicht die Bedeutung von artgerechter Haltung, die individuelle Lösungen statt standardisierter Eingriffe priorisiert.