Wenn die Arbeit zur Last wird: Ein persönlicher Bericht

Jonathan Malesic kennt Burnout aus eigener Erfahrung. Sein Traumjob als Dozent an einem kleinen katholischen College in Pennsylvania endete in totaler Erschöpfung. „Ich war ständig müde und hatte Angst vor der Arbeit“, erzählt er im Podcast Explain It to Me von Vox. Gründe dafür waren desinteressierte Studierende, Budgetkürzungen und Entlassungen von Kollegen. Irgendwann erkannte er: So konnte es nicht weitergehen. Er verließ die Universität – und begann, sich intensiv mit dem Thema Burnout zu beschäftigen.

Die drei Dimensionen des Burnouts nach Christina Maslach

Malesic stieß auf die Forschung der Psychologieprofessorin Christina Maslach, die als Expertin für Burnout gilt. Sie identifizierte drei zentrale Dimensionen:

  • Chronische Erschöpfung: Betroffene fühlen sich dauerhaft ausgelaugt, selbst Erholung bringt keine Besserung.
  • Zynismus oder Depersonalisation: Menschen werden als Objekte wahrgenommen – Wut, Klatsch und Frustration sind typische Anzeichen.
  • Gefühl der Sinnlosigkeit: Betroffene zweifeln daran, dass ihre Arbeit einen Wert hat.

Malesic absolvierte den Maslach Burnout Inventory, einen Standardtest zur Messung von Burnout. Das Ergebnis: Er lag im 98. Perzentil für Erschöpfung. „In unserer Gesellschaft wird Arbeit überbewertet“, sagt er. „Wir definieren uns stark über unseren Beruf.“

„Traumjobs gibt es nicht“ – Warum Systeme hinterfragt werden müssen

Auch Danielle Roberts erlebte ein Burnout – nach einer Kündigung während der Pandemie. Heute arbeitet sie als Karrierecoach und hilft anderen, ein gesundes Gleichgewicht zu finden. „Traumjobs existieren nicht“, sagt sie. „Wir müssen die Strukturen hinterfragen, die Burnout verursachen – statt es als persönliches Versagen zu betrachten.“

In ihrem Podcast erklärt Roberts, wie sich Burnout über die Jahrzehnte verändert hat und welche Strategien dagegen helfen. Hier ein Auszug aus dem Gespräch:

Hat es Burnout schon immer gegeben?

„Ich bin in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen. Mein Vater arbeitete 40 Jahre lang als Fliesenleger. Er hat sich für seine harte Arbeit nie wirklich erholt – und das ist kein Einzelfall.“

Was tun bei Burnout? Praktische Tipps

Roberts und Malesic geben folgende Ratschläge:

  • Grenzen setzen: Lernen Sie, Nein zu sagen – sowohl im Beruf als auch privat.
  • Prioritäten überdenken: Nicht jeder Job muss ein „Traumjob“ sein. Manchmal reicht ein Job, der das Leben finanziert.
  • Systeme hinterfragen: Unternehmen sollten Arbeitsbedingungen verbessern, statt Burnout als individuelles Problem darzustellen.
  • Hilfe suchen: Therapie oder Coaching können helfen, die Ursachen zu verstehen und Strategien zu entwickeln.

Fazit: Burnout ist kein individuelles Versagen

Burnout ist kein Zeichen von Schwäche, sondern oft das Ergebnis von strukturellen Problemen. „Es geht nicht darum, sich anzupassen, sondern darum, die Arbeitswelt zu verändern“, betont Roberts. Wer Anzeichen von Burnout bei sich bemerkt, sollte frühzeitig handeln – bevor es zu spät ist.

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Quelle: Vox