Die Worte von Bob Dylan, einem Sohn des Mittleren Westens, hallen bis heute nach: „The times they are a-changin’.“ Diese Zeilen beschreiben perfekt die Entwicklung Chicagos und seiner Umgebung. Die einstige Industriestadt am Michigansee streift ihr Image als Teil des veralteten Rostgürtels ab und positioniert sich als zukunftsweisender Standort für Quantencomputing – die „Silicon Prairie“.
Von der Stahlfabrik zur Quantenhochburg
Ein Symbol dieser Transformation ist die ehemalige U.S. Steel South Works, ein stillgelegtes Stahlwerk, das einst Zehntausende beschäftigte und 1992 geschlossen wurde. Heute entsteht hier der Illinois Quantum and Microelectronics Park (IQMP), ein 128 Hektar großer Campus, der ab 2027 als Zentrum für Quantenforschung und Mikroelektronik dienen soll.
Matt Herman, Senior Vice President bei WSP und federführend am Projekt beteiligt, betont die historische Bedeutung des Standorts:
„U.S. Steel betrieb dort jahrzehntelang seine Anlagen. Durch Automatisierung und Globalisierung sank die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich, bis das Werk schließlich stillgelegt und abgerissen wurde. Doch das Fundament blieb.“
Dieses Fundament – sowohl die physische Infrastruktur als auch das lokale Fachkräftepotenzial – bildet nun die Basis für eine neue Ära: die Quantencomputing-Industrie. Der IQMP ist dabei nur ein Baustein einer größeren Strategie, die vom Chicago Quantum Exchange (CQE) vorangetrieben wird.
Chicago Quantum Exchange: Forschung, Wirtschaft und Talente vereint
Der CQE ist ein Konsortium aus Universitäten, nationalen Forschungslaboren und global agierenden Unternehmen. Kate Waimey Timmerman, CEO des CQE, erklärt die Vision:
„Unser Ziel ist es, ein integriertes Ökosystem von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung zu schaffen. Dazu gehören Forschung, Kommerzialisierung und die Ausbildung von Fachkräften für die Quantenbranche.“
Gegründet 2017, umfasst der CQE heute:
- Führende Universitäten wie die University of Chicago, die University of Illinois Urbana-Champaign und die Northwestern University
- Nationale Labore wie Argonne National Laboratory und Fermilab
- Über 50 Unternehmenspartner – von Fortune-500-Konzernen bis zu Start-ups
Die Zusammenarbeit zielt auf konkrete Anwendungen ab, darunter:
- Quanten-Sensoren für die Luftfahrtindustrie
- Neue Materialien und Medikamente
- Fortschritte in der Kryptographie und Datenverarbeitung
Warum Chicago? Die Standortvorteile
Die Metropole bietet ideale Voraussetzungen für die Quantenforschung:
- Exzellente Universitäten, die hochqualifizierte Absolventen hervorbringen
- Zugang zu nationalen Forschungslaboren, darunter Argonne und Fermilab
- Eine wachsende Start-up-Szene und etablierte Industriepartner
- Strategische Lage im Herzen des Mittleren Westens mit guter Infrastruktur
Timmerman unterstreicht:
„Der Mittlere Westen verfügt seit jeher über herausragende Ressourcen. Jetzt geht es darum, diese Stärken für die Quantenrevolution zu nutzen.“
Mit Projekten wie dem IQMP und der Arbeit des CQE könnte Chicago tatsächlich zur „Silicon Prairie“ werden – ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt beginnt.