Die jüngste Version von Seedance, einem KI-Tool zur Videogenerierung des chinesischen Tech-Giganten ByteDance, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. Hyperrealistische Szenen – etwa Will Smith im Kampf gegen ein monströses Spaghetti-Wesen oder Brad Pitt und Tom Cruise in einem brutalen Handgemenge – befeuern die Debatte über die Zukunft menschlicher Kreativität in Zeiten der Künstlichen Intelligenz.

Doch nicht nur Hollywood steht vor dieser Herausforderung. Wie die New York Times berichtet, teilen chinesische Filmemacher, Schauspieler und Crews diese Sorgen. Sie erleben hautnah, wie generative KI die Flut an Mikrodramas – ultra-kurze, für Mobilgeräte optimierte Serien – in die Höhe treibt. Ein Format, das sich in China rasant verbreitet und längst zu einem Milliardenmarkt geworden ist.

KI als Jobkiller: Mikrodramas boomen, Live-Action stirbt aus

Laut dem Bericht wurden allein im März dieses Jahres rund 50.000 neue KI-generierte Mikrodramas auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok, veröffentlicht. Viele davon erreichen Hundertmillionen Aufrufe. Die KI-basierte Content-Fabrik soll dieses Jahr einen Wert von über 3 Milliarden US-Dollar erreichen – der gesamte Mikrodrama-Markt wird bis Jahresende auf über 16,5 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Kein Wunder, dass die Betroffenen Alarm schlagen. Besonders brisant: Die unrechtmäßige Nutzung von Prominenten-Likenesses und der Ersatz von Mitarbeitern durch KI-Algorithmen beschäftigen derzeit chinesische Gerichte. Schauspieler Li Jiao beschreibt die Situation mit einem Bild:

„Es war, als würde es regnen, und plötzlich hörte der Regen auf.“

Regisseur Wang Yushun gibt offen zu, selbst massiv auf KI zu setzen – und musste dafür Mitarbeiter entlassen. Die Nachfrage nach herkömmlichen Live-Action-Produktionen schwindet zusehends. Gleichzeitig senkt KI die Einstiegshürden für neue Wettbewerber, was den Druck auf etablierte Studios erhöht.

Chinas Regierung reagiert – doch der Wandel ist unaufhaltsam

Die chinesische Regierung versucht, mit Regularien gegenzusteuern. So müssen KI-generierte „digitale Menschen“ klar gekennzeichnet werden, und Dienste, die Kinder gefährden oder in die Irre führen könnten, sind verboten. Doch ob diese Maßnahmen ausreichen, bleibt fraglich.

Interessanterweise zeigt sich in China eine pragmatischere Haltung gegenüber KI als in Hollywood, wo viele Stars die Technologie pauschal ablehnen. Li Jiao betont, dass KI nicht per se schlecht sei – solange sie nicht nur menschliches Verhalten imitiert, sondern neue kreative Wege eröffnet.

„Unser Wert als Menschen liegt in unserer Vorstellungskraft. KI sollte uns helfen, diese weiter zu entfalten – nicht sie einzuschränken.“

Während die Branche um ihre Zukunft ringt, wird eines klar: Die Ära der KI-generierten Unterhaltung hat gerade erst begonnen – und sie wird die Spielregeln der gesamten Medienlandschaft neu schreiben.

Quelle: Futurism