Chinesische Automobilhersteller wie BYD oder Xiaomi dürfen ihre Fahrzeuge derzeit nicht in den USA verkaufen. Dennoch werden ihre Modelle durch gezielte Marketingkampagnen mit amerikanischen Influencern immer bekannter. Diese Strategie könnte langfristig den Weg für einen Markteintritt ebnen.

Influencer als Türöffner für chinesische Automarken

Um in den USA Aufmerksamkeit zu generieren, importieren chinesische Hersteller Fahrzeuge temporär und lassen sie von bekannten Content-Creators testen. Obwohl ein Verkauf vorerst nicht geplant ist, entstehen so erste Fan-Gemeinden und eine starke Markenpräsenz.

Forrest Jones, ein Pionier der kurzen Autoreviews auf TikTok, hat in den letzten Jahren zahlreiche chinesische Fahrzeuge getestet. Seine Videos erreichen Millionen von Aufrufen – ein Beweis dafür, dass das Interesse an diesen Marken groß ist. Auch Tech-YouTuber Marques Brownlee sorgte mit einem Test des Xiaomi SU7 für Furore: Sein Video mit über 10 Millionen Aufrufen brachte dem Unternehmen laut Berichten eine unentgeltliche Werbewirkung im Wert von 1,2 Millionen US-Dollar ein.

Virale Effekte und unerwartete Nachfragen

Die Reichweite solcher Inhalte ist enorm. Daten von Sprout zeigen, dass Xiaomis TikTok-Followerzahl nach Browns Videos um 20 Prozent stieg – etwa die Hälfte davon stammt aus den USA. Gleichzeitig verzeichnete die E-Commerce-Plattform China EV Marketplace über 1.000 Anfragen nach Preisangeboten für chinesische Elektroautos, obwohl viele Nutzer nicht wissen, dass diese Fahrzeuge in den USA nicht versichert oder zugelassen werden können.

Bezahlte Testfahrten als Marketingstrategie

Unternehmen wie Beijing Dongchedi Technology Co. (DCar) organisieren gezielt Influencer-Reisen, um chinesische Elektroautos in den USA bekannt zu machen. Im Frühjahr 2025 lud DCar unter anderem den bekannten YouTuber Richard Benoit, auch bekannt als Rich Rebuilds, nach Alaska ein. Dort durfte er mehrere chinesische E-Autos testen. Neben einer kostenlosen Reise erhielt Benoit eine Vergütung in Höhe des Preises eines günstigen chinesischen Elektroautos für seine Berichterstattung. Die beteiligten Marken profitieren von der breiten Aufmerksamkeit in den sozialen Medien.

Laut Aussagen der Hersteller gibt es derzeit keine konkreten Pläne, in den US-Markt einzusteigen. Dennoch deuten die Aktivitäten darauf hin, dass sie langfristig auf eine Lockerung der Handelsbeschränkungen hinarbeiten. Sollte dies gelingen, könnten etablierte US-Hersteller ernsthafte Konkurrenz erhalten.

„Die Strategie der chinesischen Hersteller ist clever: Sie bauen erst eine Fan-Basis auf, bevor sie versuchen, den Markt zu betreten. Wenn die Regularien fallen, sind sie bereits bekannt – und die Nachfrage ist da.“
— Branchenexperte

Fazit: Ein strategischer Schachzug mit langfristigem Potenzial

Auch wenn chinesische Autohersteller derzeit keine Fahrzeuge in den USA verkaufen dürfen, nutzen sie kreative Wege, um ihre Marken zu etablieren. Durch gezielte Influencer-Kooperationen und virale Inhalte schaffen sie eine Nachfrage, die bei einer späteren Marktöffnung direkt in Verkäufe umgewandelt werden könnte. Die US-Automobilbranche sollte diese Entwicklung genau beobachten.

Quelle: CarScoops