Andrew Martins Figuren sind meist überqualifiziert und unterbeschäftigt. Theoretisch widmen sie sich kreativen Tätigkeiten, doch statt Kunst zu produzieren, hegen sie vor allem Wünsche: mehr lesen, abnehmen, bessere Kleidung kaufen, eine schönere Wohnung finden. Stattdessen füllen sie ihre Tage mit Selbstzerstörung – sei es durch Drogen, gescheiterte Liebesaffären oder beides gleichzeitig.
In Martins Debütroman Early Work (2018) endet die Beziehung zwischen dem gescheiterten Doktoranden Peter und der Schriftstellerin Leslie unter dem Einfluss von Marihuana, Tequila, Whiskey, Bier und Pilzen. In der Kurzgeschichte Cool for America (2020) flirtet ein namenloser Erzähler mit der Frau seines Freundes – betäubt von Alkohol und Schmerzmitteln. Später schlägt der betrogene Ehemann ein Bierglas in das Gesicht des Erzählers.
Ihre Jugend entschuldigt ihr Verhalten, wenn auch nicht immer ihre Sympathie. Martins erste beiden Bücher porträtieren Freunde und Liebende, die meist Anfang oder Mitte 20 sind und noch nicht mit den unabänderlichen Realitäten des Erwachsenenlebens konfrontiert sind: Hypotheken, Kinder oder eine angegriffene Leber. Doch selbst in ihren Exzessen wissen sie, dass ihre Zeit begrenzt ist. Peter, der in beiden Werken auftritt, bringt es im Kurzgeschichtenband The Boy Vet auf den Punkt:
"Ich wartete wohl auf den unerwarteten Antrieb, der mich schreiend in mein drittes Lebensjahrzehnt katapultieren würde. Stoppt mich, wenn ihr das schon gehört habt."
In Martins neuem Roman Down Time ist dieser Antrieb endlich eingetreten. Die vier Protagonisten – Cassandra, Malcolm, Antonia und Aaron – sind etwa zehn Jahre älter als Martins frühere Figuren und näher an der Lebensmitte. Doch das bedeutet nicht, dass sie gereift wären. Sie wirken wie Fortsetzungen desselben Typs: selbstreflektierende Selbstsaboteure mit einer Vorliebe für leichte sexuelle Demütigungen. Die ersten Kapitel des Romans folgen Martins typischen Erzählmustern: ein Rückfall, ein riskanter Kuss, eine gescheiterte Freundschaft mit Vorteilen.
Diese Wiederholung ist kein Zufall. Wie ihre jüngeren Vorgänger treiben sich die Figuren von Down Time im Kreis: zwischen Sucht und Nüchternheit, Trennung und Versöhnung, prekärer Arbeit und beruflicher Stabilität. Aaron, ein Alkoholiker, erklärt sein ständiges Rückfallen mit den Worten:
"Alles war immer gleich, gleich, gleich."Malcolm, der nach dem Erfolg seines trashigen Debüts nicht mehr schreiben kann, klagt ähnlich:
"Alles, was ich tat, führte mich an denselben Ort zurück."Doch diese Klagen wirken bald wie ein kosmischer Scherz. Als der Roman beginnt, ist Januar 2020. Wenig später bricht Covid-19 aus – und die Stagnation der vier Protagonisten wird sowohl verstärkt als auch brutal unterbrochen.