Auf der Vorhersagemarkt-Plattform Polymarket haben Nutzer innerhalb von nur vier Tagen fast 3 Millionen US-Dollar darauf gewettet, ob es 2024 zu einer Hantavirus-Pandemie kommen wird. Auslöser ist ein kürzlich aufgetretener Ausbruch einer besonders aggressiven Virusstamm-Variante auf einem Kreuzfahrtschiff. Von acht Verdachtsfällen starben drei Menschen.
Obwohl die Meldungen Besorgnis auslösen, bewertet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Risiko einer großflächigen Pandemie weiterhin als gering. Dennoch setzen Polymarket-Nutzer hohe Summen auf verschiedene hantavirusbezogene Wetten – darunter die Frage, ob noch in diesem Jahr ein Impfstoff entwickelt wird oder ob die Behörden den Ausbruch auf dem Schiff als „Labortheorie“ einstufen werden.
Polymarket äußerte sich nicht zu den Hantavirus-Wetten. Maria Van Kerkhove, Leiterin der Abteilung für Epidemie- und Pandemiebekämpfung bei der WHO, betonte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag: „Ich möchte klarstellen: Dies ist nicht der Beginn einer Covid-19-Pandemie. Es handelt sich weder um Covid noch um Influenza. Die Übertragung erfolgt völlig anders.“
Experten für Infektionskrankheiten wissen bereits aus früheren Ausbrüchen dieser Hantavirus-Variante, dass das Virus eine enge körperliche Nähe zur Übertragung zwischen Menschen erfordert. Zudem ist ein Infizierter nur etwa einen Tag lang ansteckend. Diese Faktoren ermöglichen es Gesundheitsbehörden, ihre Maßnahmen gezielt anzupassen – und gleichzeitig einigen Online-Wettenden, ihre Einsätze strategisch zu platzieren.
Wettboom durch legale Prognosemärkte
Online-Wetten erleben seit der Legalisierung von Sportwetten durch den Supreme Court im Jahr 2018 einen Aufschwung. Die Covid-19-Pandemie beschleunigte diesen Trend zusätzlich. 2020 stiegen die Einnahmen aus Sportwetten um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – obwohl kaum Sportevents stattfanden. Stattdessen wurden andere Wetten populär, etwa Vorhersagen zur Zahl der Covid-19-Todesopfer. Einige Nutzer setzten bereits im April 2020 auf solche Prognosen, obwohl diese Wetten damals noch illegal waren. Die strengen Regulierungen für Prognosemärkte wurden erst durch ein Urteil aus dem Jahr 2024 gelockert.
Seitdem können Nutzer auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi fast alles wetten – einschließlich öffentlicher Gesundheitskrisen. John W. Ayers, Professor für öffentliche Gesundheit an der University of California, San Diego, kommentiert dies kritisch: „Wer auf die Ausbreitung eines Virus wettet, hat vermutlich ein ernsthaftes Glücksspielproblem. Menschen mit Suchtverhalten neigen dazu, sich auf immer absurdere Wetten einzulassen.“
Sorgen um steigende Glücksspielsucht
Seit Jahren warnen Experten vor einem Anstieg von Glücksspielsucht, doch genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln. Eine Studie unter Leitung von Ayers zeigte 2023, dass Google-Suchen nach Hilfsangeboten für Glücksspielsucht seit der Legalisierung von Sportwetten um 23 Prozent gestiegen sind. Andere Forscher schätzen, dass etwa 10 Prozent der Männer zwischen 18 und 30 Jahren ein problematisches Spielverhalten aufweisen.
Plattformen wie Kalshi und Polymarket profitieren von der wachsenden Nutzerzahl und erweitern kontinuierlich ihr Angebot an Nischenwetten. Seit der Pandemie haben sich diese Prognosemärkte stark verbreitet und bieten nun auch Wetten auf medizinische oder politische Ereignisse an.