Lisa Jo Chamberlin, die einzige Frau auf dem Todestrakt in Mississippi, hat gegenüber einem Reporter im Januar über ihre Erfahrungen und die Vorwürfe grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung im Gefängnis berichtet. Nun gibt sie an, nach dem Interview gezielte Vergeltungsmaßnahmen durch Gefängnisbeamte erlebt zu haben. Bürgerrechtsaktivisten fordern daraufhin eine Untersuchung ihrer Haftbedingungen.

In einem Interview letzte Woche aus der Central Mississippi Correctional Facility – nachdem ihr Telefonzugang wiederhergestellt wurde – schilderte Chamberlin, dass sie nach dem Gespräch mit Mississippi Today punitive Einschränkungen erfahren habe. Dazu gehörten verlängerte Einzelhaft, der Entzug von Kontakten, eingeschränkte Interaktionen, Duschen, Medikamentenversorgung und Post. Diese Maßnahmen würden männlichen Häftlingen auf dem Todestrakt mit vergleichbaren Vergehen nicht auferlegt, so Chamberlin.

Nach Veröffentlichung des Artikels war Chamberlin monatelang nicht erreichbar. Freunde und Familie erfuhren später, dass ihr Rechte und Privilegien entzogen worden waren, die männliche Todestrakt-Häftlinge weiterhin genossen. „Ich war den gesamten Februar und März blockiert“, erklärte Chamberlin. Ihre Patentochter Laykin Bordelon bestätigte, dass ihr die Telefonnummer gesperrt und ausgehende Anrufe unmöglich gemacht wurden. „Ich bin überzeugt, dass diese Maßnahmen eine Vergeltung für ihre Aussagen zur Verfassungswidrigkeit der Haftbedingungen waren“, sagte Bordelon.

Während männliche Häftlinge auf dem Todestrakt etwa Zugang zu Gärten, Billardtischen, Sofas und sogar eigenen Küchen in ihren Gebäuden haben, wird Chamberlin in langfristiger Einzelhaft gehalten. Die psychischen Folgen seien unerträglich, so Chamberlin. „Das ist die schlimmste Behandlung, die ich je bei einem Häftling auf dem Todestrakt gesehen habe“, sagte Reverend Jeff Hood bereits im Januar – noch bevor er von Chamberlins neuen Einschränkungen erfuhr. „Das ist nicht nur in Mississippi so, sondern in den gesamten USA die schlimmste Behandlung“, betonte Hood, der bereits hunderte inhaftierte Personen beraten hat.

Hood erklärte am Wochenende, dass der männliche Todestrakt in Mississippi zu den wenigsten einschränkenden in den USA gehöre. Während Männer tagsüber von 7 Uhr morgens bis 19 Uhr abends ihre Zellen verlassen dürfen, Zugang zu Küchen, Basketballplätzen, Höfen, Spielen, Fernsehen und Tablets haben sowie Besuche per Videoanruf tätigen können, werde Chamberlin komplett isoliert. „Die Männer dürfen sich untereinander austauschen – ein krasser Gegensatz zu Chamberlins Situation“, sagte Mitzi Magleby, eine Bürgerrechtsaktivistin aus Mississippi. „Lisa Jo sitzt nur in ihrer Zelle. Sie hat nichts davon.“