In New York öffnet am Freitag eine ungewöhnliche Bibliothek: Statt Büchern beherbergt das „Donald J. Trump and Jeffrey Epstein Memorial Reading Room“ 3.437 Bände mit insgesamt rund 3,5 Millionen Seiten der Epstein-Akten. Initiiert vom Institute for Primary Facts, einer gemeinnützigen Organisation für Transparenz, wird die Ausstellung in einem geheimen Tribeca-Raum bis zum 21. Mai der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – allerdings nur nach vorheriger Terminbuchung.

„Die Wahrheit lässt sich schwer leugnen, wenn sie gedruckt und für alle sichtbar vorliegt“, heißt es auf der Projektwebsite. „Das Reading Room hält die Aufmerksamkeit auf Epsteins Verbrechen und die Versuche Trumps, sie zu vertuschen, gerichtet – um Opfern und Überlebenden bei der Suche nach Gerechtigkeit zu helfen.“

Die umstrittenen Dokumente stehen seit Epsteins Verhaftung und Tod im Fokus der Öffentlichkeit. Nach langjährigen Forderungen veröffentlichte das US-Justizministerium im Januar 2026 eine redigierte Version der Akten. Die schiere Menge an Material führte zu kreativen Lösungen für die öffentliche Zugänglichkeit – etwa dem Projekt Jmail, einer nutzerfreundlichen Oberfläche nach dem Vorbild von Gmail, die die Durchsicht der Dokumente erleichtert. Weitere Projekte wie ein „Amazon-ähnlicher“ Shop für Epsteins Einkäufe oder eine Bilddatenbank ergänzen das Angebot.

Auf den ersten Blick wirkt die Ausstellung wie eine klassische Bibliothek. Doch bei näherer Betrachtung entpuppen sich die „Bücher“ als analoge Versionen der umstrittenen Akten, sortiert nach Bänden. Die Regale fassen laut Angaben des Projekts rund 17.000 Pfund an gedruckten Dokumenten. An den Wänden umschließen die Regale einen abgedunkelten Bereich mit Kerzen als Hommage an Epsteins Opfer und Überlebende.

Ein Sitzbereich erinnert an einen Lesesaal, doch nur Journalisten und Strafverfolgungsbehörden dürfen die Originaldokumente einsehen. Alle Besucher können jedoch eine detaillierte Zeitleiste an den Wänden studieren, die die jahrzehntelange Verbindung zwischen Epstein und Trump dokumentiert.

Interessierte können kostenlose 20-minütige Besuche buchen – eine Anmeldung ist erforderlich. Vor dem Termin erhalten die Teilnehmer per SMS den genauen Standort, der aus Sicherheitsgründen geheim gehalten wird.