Der unsichtbare Teil des Erfolgs
„Manchmal muss man lange spielen, um wie man selbst zu klingen.“ Diese Worte des Jazz-Legenden Miles Davis fassen zusammen, was viele unterschätzen: Erfolg ist kein plötzlicher Durchbruch, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses – mit Höhen, Tiefen und vor allem Scheitern. Die besten Künstler sind nicht nur talentiert, sondern auch authentisch, weil sie sich diesem Weg verschrieben haben – inklusive aller Fehler, die dazugehören.
Warum wir Scheitern ausblenden
Wir präsentieren uns gern als fertige Erfolge. LinkedIn-Likes gibt es für Meilensteine, nicht für Rückschläge. Doch wer „werden“ will – sei es im Beruf oder persönlich –, muss durch Phasen des Nicht-Könnens gehen. Warum verschweigen wir diese Realität? Weil Scheitern unangenehm ist. Weil wir uns lieber als „fertig“ inszenieren. Doch genau das ist irreführend.
Ein Beispiel: Niemand geht ins Fitnessstudio und verlässt es mit Sixpack. Genauso wenig funktioniert beruflicher oder persönlicher Fortschritt ohne Umwege. Der Prozess des Werdens ist untrennbar mit Fehlern verbunden – und das ist kein Makel, sondern die Regel.
„Scheitern“ vs. „Scheitern an“ – ein entscheidender Unterschied
Die ehemalige Apple- und Disney-Managerin Courtnee LeClaire kennt beide Seiten: Sie leitete globale Marketingteams bei Tech- und Unterhaltungsriesen, bevor sie sich als „Chief Becoming Officer“ selbstständig machte. Heute coacht sie Führungskräfte dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten – und spricht dabei offen über ihre eigenen Misserfolge.
LeClaire unterscheidet dabei zwei Begriffe, die oft synonym verwendet werden, aber grundverschieden sind:
- „Scheitern“ als Endpunkt: „Ich habe versagt“ – das ist eine statische Aussage, die oft mit Resignation einhergeht. Es wird zu einer Identität: „Ich bin ein Versager.“
- „Scheitern an“ als Prozess: „Ich scheitere gerade daran, aber ich lerne daraus“ – hier steckt die Möglichkeit zur Veränderung. Es ist ein aktiver Satz, der Handlungsoptionen eröffnet: „Ich scheitere, also muss ich [etwas tun].“
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Scheitern ist ein vollständiger Satz – aber es ist nicht das Ende der Geschichte. Failing hingegen ist der erste Schritt zur Lösung.“, erklärt LeClaire. Diese Unterscheidung hilft, die Angst vor Fehlern zu überwinden und sie als notwendigen Teil des Wachstums zu begreifen.
Wie Ehrlichkeit den Weg ebnet
LeClaires Karriere ist geprägt von Erfolgen – doch heute liegt ihr Fokus darauf, anderen zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Ihr Ansatz zeigt: Wer seine gesamten Erfahrungen teilt – die glänzenden und die schmerzhaften –, gibt anderen die Chance, ähnliche Prozesse besser zu navigieren. Das gilt besonders für Führungskräfte, die oft unter dem Druck stehen, „perfekt“ wirken zu müssen.
Ihre Botschaft: Ehrlichkeit über den Prozess des Werdens ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Wer seine Fehler zugibt, schafft Raum für echte Entwicklung – bei sich selbst und im Team.
Drei Lehren aus LeClaires Ansatz
- Akzeptiere den Prozess: Erfolg kommt nicht über Nacht. Wer „werden“ will, muss durch Phasen des Nicht-Könnens gehen.
- Unterscheide zwischen Scheitern und Lernen: Ein Misserfolg ist kein Urteil, sondern eine Lektion.
- Teile deine ganze Geschichte: Authentizität inspiriert andere, ihren eigenen Weg zu gehen – mit all seinen Umwegen.
Fazit: Der Wert des ehrlichen Weges
Miles Davis’ Worte erinnern uns daran: Echtheit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch den Mut, sich selbst zu werden – mit allen Brüchen und Rückschlägen. Wer das akzeptiert, hat bereits den wichtigsten Schritt getan. Denn am Ende geht es nicht darum, „fertig“ zu sein, sondern sich ständig weiterzuentwickeln.