Veröffentlichung geleakter Dokumente: Ein ethisches Dilemma
Steve Sachs, Rechtswissenschaftler, wirft dem renommierten New-York-Bar-Anwalt und Journalisten Adam Liptak vor, durch die öffentliche Verbreitung geleakter Supreme-Court-Dokumente berufsrechtliche Regeln verletzt zu haben. Dieser Vorfall wirft grundsätzliche Fragen über die Schnittmenge von journalistischer Ethik und anwaltlicher Sorgfaltspflicht auf.
Die Rolle der Anwälte vor dem Supreme Court
Der Supreme Court führt eine Liste mit etwa zwei Dutzend „Hard Pass Holders“ – darunter zahlreiche Anwälte. Zu ihnen zählt auch Joan Biskupic, eine seit 1997 inaktive Mitglied der D.C. Bar. Trotz ihres inaktiven Status unterliegt sie weiterhin allen berufsrechtlichen Pflichten. Biskupic hat sich in ihrer Karriere auf die Veröffentlichung geleakter Supreme-Court-Dokumente spezialisiert.
Die Frage bleibt: Wie vereinbaren Liptak, Biskupic und andere Journalisten-Anwälte ihre Pflichten gegenüber dem Journalismus mit ihren Pflichten als officers of the Court? Eine klare Erklärung dieser Balance wäre wünschenswert.
Anonyme Zitate von Richtern: Ein Problem für die Justiz
Ein weiteres ethisches Problem betrifft die Praxis einiger Reporter, anonyme Zitate von Richtern zu veröffentlichen. Viele dieser Aussagen könnten als Herabwürdigung der Judikative interpretiert werden. Warum sonst würden Richter anonym sprechen, wenn nicht aus Furcht vor Konsequenzen?
Journalisten ohne Anwaltszulassung unterliegen zwar nicht den Disziplinarregeln der Anwaltskammern, doch sie sollten sich bewusst sein, dass die Verbreitung solcher Umfragen Richter möglicherweise dazu verleitet, ihre eigenen rechtlichen Pflichten zu verletzen.
Medienethik im Fokus: Wer kontrolliert die Kontrolleure?
Während die Ethik der Supreme-Court-Richter intensiv diskutiert wird, bleibt die Frage nach der Medienethik oft unbeantwortet. Die Praxis zeigt: Reporter stellen lieber Fragen als selbst Antworten zu geben. Doch wer überwacht die Medien? Die Debatte um Liptaks Fall unterstreicht die Dringlichkeit dieser Frage.
Update: Adam Liptak wurde am 15. Juni 1992 in die Anwaltskammer des Supreme Court aufgenommen.
Der Beitrag erschien ursprünglich auf Reason.com.