Eine neue Branche entsteht: Ehemalige Tech-Startups verkaufen die digitalen Überreste ihrer gescheiterten Unternehmen – darunter Slack-Chats und E-Mails ihrer Mitarbeiter – als Trainingsdaten für KI-Systeme. Laut einem Bericht von Forbes nutzen KI-Entwickler diese Daten, um realistische Simulationsumgebungen für KI-Agenten zu schaffen.

Warum Slack-Daten für KI so wertvoll sind

KI-Modelle benötigen hochwertige Trainingsdaten. Doch in einer von KI durchsuchten digitalen Welt werden solche Daten immer seltener. Daten aus Arbeitsumgebungen wie Slack sind besonders gefragt, da sie Einblicke in echte Arbeitsabläufe bieten. Diese Informationen helfen dabei, KI-Agenten zu trainieren, die später Büroaufgaben übernehmen sollen.

„Moderne Unternehmen erkennen, dass echtes Arbeitsumfeld-Rauschen essenziell ist, um KI-Modelle präzise zu testen“, erklärt Ali Ansari, Gründer des Unternehmens micro1, das KI-Agenten in simulierten Unternehmen trainiert. Diese Trainingsumgebungen werden als „Reinforcement Learning Gyms“ (RL-Gyms) bezeichnet und bilden eine eigene, wachsende Branche.

Millardeninvestitionen in virtuelle Arbeitswelten

Der Bedarf an solchen Daten ist enorm: Das KI-Unternehmen Anthropic erwägt laut The Information Investitionen von bis zu einer Milliarde US-Dollar in RL-Gyms. Startups wie Prime Intellect und Fleet werden bereits mit ähnlichen Summen bewertet.

Gleichzeitig nutzen ehemalige Startup-Gründer diese Nachfrage. SimpleClosure, ein Unternehmen, das sich als „TurboTax für Firmenauflösungen“ bezeichnet, hat kürzlich das Tool Asset Hub eingeführt. Damit können insolvente Firmen ihre Slack-Archive, E-Mails und Code-Bibliotheken verkaufen – angeblich nach Anonymisierung der Daten. Laut CEO Dori Yona wurden in den letzten zwölf Monaten fast 100 Deals vermittelt, die über eine Million US-Dollar für Gründer einbrachten.

Ethische Bedenken und Datenschutzrisiken

Doch das Geschäft wirft Fragen auf: Ist es sinnvoll, KI mit Daten gescheiterter Unternehmen zu trainieren? Und wie steht es um den Schutz der Privatsphäre? „Wenn ein Arbeitgeber Gespräche in einem physischen Büro aufzeichnen und verkaufen würde, wäre das ein Skandal. Doch bei digitalen Tools wie Slack gilt es plötzlich als cleveres Geschäftsmodell“, kritisiert Marc Roteberg, Gründer des Center for AI and Digital Policy.

Experten bezweifeln zudem, dass die Anonymisierung der Daten tatsächlich funktioniert. „Es handelt sich nicht um generische Daten, sondern um identifizierbare Personen“, warnt Roteberg. Ohne ausreichende Anonymisierung könnten Käufer Rückschlüsse auf einzelne Mitarbeiter ziehen – ein schwerwiegender Verstoß gegen den Datenschutz.

Fazit: Ein lukratives, aber fragwürdiges Geschäftsmodell

Während die KI-Branche von den Daten profitiert, bleiben ethische und rechtliche Fragen offen. Die Praxis wirft grundsätzliche Diskussionen über den Umgang mit Mitarbeiterdaten in der digitalen Wirtschaft auf.

Quelle: Futurism