Fed belässt Leitzinsen trotz interner Spannungen
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat die Leitzinsen in ihrem letzten Treffen unter Jerome Powell unverändert gelassen. Doch die internen Dissenter waren zahlreicher als seit 34 Jahren: Drei Präsidenten regionaler Fed-Banken und ein Gouverneur widersprachen der offiziellen Linie. Während einige eine Zinssenkung forderten, lehnten andere eine zukünftige Lockerungspolitik ab.
Drei Präsidenten und ein Gouverneur dissentierten
Die Fed beließ ihren Leitzins im Bereich von 3,5 % bis 3,75 % – eine Entscheidung, die Powell in seiner letzten Sitzung als Fed-Chef traf. Drei Präsidenten regionaler Fed-Banken – Beth Hammack (Cleveland), Neel Kashkari (Minneapolis) und Lorie Logan (Dallas) – sowie Gouverneur Stephen Miran stimmten dagegen. Allerdings richteten sich ihre Dissenter nicht gegen die Zinsentscheidung selbst, sondern gegen die Formulierung im Statement, die auf mögliche zukünftige Zinssenkungen hindeutet.
Während die drei Präsidenten eine klarere Zurückhaltung bei der Ankündigung weiterer Senkungen forderten, sprach sich Miran für eine sofortige Zinssenkung aus. Insgesamt gab es vier Dissenter – die höchste Zahl seit Oktober 1992.
Powells Amtszeit endet bald – Warsh als Nachfolger gesetzt
Jerome Powells Amtszeit als Fed-Chef endet am 15. Mai. Sein designierter Nachfolger, Kevin Warsh, hat bereits die Senatsausschuss-Hürde genommen und gilt als sicher bestätigt. Seine Amtszeit könnte bereits vor dem nächsten Fed-Treffen im Juni beginnen.
Die aktuellen Spannungen zeigen, wie tief die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Fed sind. Besonders umstritten ist die Formulierung im Statement, die auf mögliche weitere Zinssenkungen hinweist. Die „Falken“ unter den Fed-Mitgliedern fürchten, dass eine solche Ankündigung die Inflationsbekämpfung untergräbt, während andere eine zu restriktive Politik kritisieren.
Unklarheit über Powells Zukunft bei der Fed
Es ist noch ungewiss, ob Powell nach seinem Rücktritt als Fed-Chef komplett aus dem Gouverneursrat ausscheiden oder seinen Sitz behalten wird. Seine Amtszeit als Gouverneur läuft bis Anfang 2028. Die Entscheidung könnte er in seiner heutigen Pressekonferenz bekannt geben.
Powells Erbe: Eine gespaltene Fed
Jerome Powell hat es in den letzten acht Jahren geschafft, die oft zerstrittene Fed zusammenzuhalten. Doch sein Nachfolger Kevin Warsh wird mit tiefen Gräben innerhalb des Gremiums konfrontiert sein. Die aktuellen Dissenter zeigen, wie schwer es sein wird, eine einheitliche Linie zu finden – besonders in einer Phase hoher Inflation und robustem Wirtschaftswachstum.
„Die Fed steht vor der Herausforderung, eine Balance zwischen Inflationsbekämpfung und wirtschaftlicher Stabilität zu finden – während die Meinungen innerhalb des Gremiums auseinandergehen.“