Der Film „Wonder Woman 1984“ war schon ein seltsames Werk: Diana (Gal Gadot) wünscht sich mit einem magischen Artefakt die Rückkehr ihres verstorbenen Geliebten – doch statt ihn lebendig zu machen, lässt das Objekt ihn in einem fremden, unwilligen Körper wiederauferstehen. Plötzlich führt Wonder Woman eine Beziehung, die ohne Zustimmung des anderen Partners auskommt. Die Frage nach moralischer Verantwortung bleibt dabei komplett ausgeblendet.

Doch der Horrorfilm „Obsession“ von Regisseur Curry Barker geht dieses Thema weitaus radikaler an. Zwar ist der Film keine direkte Neuauflage von „Wonder Woman 1984“, doch die Grundidee ist ähnlich: Ein Mann wünscht sich mit einem magischen Gegenstand die bedingungslose Liebe einer Frau – und löst damit eine beunruhigende Kette von Ereignissen aus.

Die Handlung: Ein Wunsch mit fatalen Folgen

Bear (Michael Johnston), ein schüchterner Angestellter in einem Musikladen, hegt heimliche Gefühle für seine Kollegin Nikki (Inde Navarette). Doch statt sich ihr zu offenbaren, greift er zu einem fragwürdigen Hilfsmittel: einer „One Wish Willow“ genannten Wunschpuppe. Sein Wunsch? Dass Nikki ihn mehr liebt als alles andere auf der Welt. Der Effekt tritt sofort ein. Nikki wird zu seiner hingebungsvollen Begleiterin – doch ihre plötzlichen Persönlichkeitswechsel deuten auf etwas viel Beunruhigenderes hin.

Was zunächst wie ein romantischer Traum wirkt, entpuppt sich als Albtraum. Nikki zeigt Anzeichen von Trauma, doch Bear ignoriert die Warnsignale. Stattdessen genießt er ihre bedingungslose Hingabe – selbst wenn sie sich in bizarre Rituale wie den Bau von Altären mit der Leiche seiner verstorbenen Katze flüchtet. Als Bear nicht zu Hause ist, steht sie regungslos da und wartet auf seine Rückkehr, bis hin zur Inkontinenz, weil sie ohne ihn nicht mehr funktioniert.

Moralische Verderbtheit als zentrales Thema

Geschichten über Wünsche, die in Erfüllung gehen, sind nicht neu. Doch während Filme wie die „Wishmaster“-Reihe oft die Täuschung durch böse Mächte thematisieren, zeigt „Obsession“ eine andere Perspektive: Was passiert, wenn der Wünschende selbst moralisch fragwürdig handelt? Die Handlung macht deutlich, dass schon der Gedanke, jemandes freien Willen durch einen Wunsch zu brechen, eine schwere moralische Verfehlung ist – unabhängig davon, ob der Wunsch in Erfüllung geht oder nicht.

„Obsession“ geht noch einen Schritt weiter: Der Film stellt die Frage, wie selbstsüchtig man sein muss, um die Realität zu verzerren, nur um die Liebe eines anderen zu erzwingen. Während „Wonder Woman 1984“ die moralischen Implikationen ignoriert, erkennt „Obsession“ die Abgründe dieser Handlung und setzt sie schonungslos in Szene.

Ein Film, der unbequeme Fragen stellt

Regisseur Curry Barker setzt bewusst auf eine unangenehme Erzählperspektive: Die Geschichte wird aus Bears Sicht erzählt, was den Zuschauer zunächst dazu verleitet, mit dem Protagonisten zu sympathisieren. Doch je mehr man über seine Taten erfährt, desto deutlicher wird, wie verwerflich sein Handeln ist. Barker nutzt diese Spannung, um den Zuschauer mit seiner eigenen Moral zu konfrontieren.

Das Ergebnis ist ein Film, der nicht nur gruselig, sondern auch zutiefst beunruhigend ist. „Obsession“ zwingt den Zuschauer, über die Grenzen von Liebe, Besitzanspruch und moralischer Verantwortung nachzudenken – und das auf eine Weise, die lange im Gedächtnis bleibt.

Quelle: The Wrap