Mysteriöser Gefängnis-Transfer: Warum landete Maxwell in Bryan?

Ein ungelöster Fall im Umfeld des Jeffrey-Epstein-Skandals betrifft Ghislaine Maxwell: Warum wurde die verurteilte Mittäterin im vergangenen Jahr in ein luxuriöses Frauengefängnis in Bryan, Texas, verlegt? Das Federal Prison Camp Bryan ist bekannt für seine privilegierten Haftbedingungen – Yoga-Kurse, ein Hundezuchtprogramm und ein Umfeld, das vor allem nichtgewalttätige Straftäterinnen und Wirtschaftsdelinquentinnen beherbergt. Maxwell verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe wegen Anwerbung Minderjähriger für Epsteins sexuelle Übergriffe.

Doch die Hintergründe ihrer Verlegung bleiben unklar. Besonders auffällig: Zum Zeitpunkt des Transfers saß Maxwell noch in einem gemischtgeschlechtlichen Gefängnis mittlerer Sicherheitsstufe in Florida. Erst nach einem mehrstündigen Gespräch mit Todd Blanche, damals stellvertretender Justizminister und ehemaliger Anwalt Donald Trumps, erfolgte die Verlegung. Maxwell lobte Trump in diesem Gespräch ausdrücklich und beteuerte, nie sexuelle Fehlverhalten von ihm beobachtet zu haben.

Keine offizielle Erklärung – nur 120.000 Seiten Dokumente

Die US-Behörden haben nie eine Begründung für den Transfer geliefert. Auffällig ist, dass das Bryan-Gefängnis zum Zeitpunkt der Verlegung auch andere Prominente beherbergte: die verurteilte Betrügerin Elizabeth Holmes (Theranos) und Jen Shah, Star der Reality-Show Real Housewives of Salt Lake City, die wegen Betrugs verurteilt wurde.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, reichte das Center for Investigative Reporting (Herausgeber von Mother Jones) im Sommer 2023 eine Anfrage nach dem Freedom of Information Act (FOIA) beim Bureau of Prisons (BOP) ein. Gefordert wurden alle Unterlagen zu Maxwells Verlegung – darunter E-Mails, Memos, Anordnungen, Telefonate und interne Kommunikation. Die Antwort des BOP kam spät und überraschend.

Systemabsturz durch Datenflut: Warum 120.000 Seiten?

Nach monatelanger Verzögerung und einer Klage des Reporters Committee for Freedom of the Press gab das BOP kürzlich eine sensationelle Auskunft: Bei der Durchsicht der FOIA-Anfrage wurden 15,8 Gigabyte an potenziell relevanten Dokumenten identifiziert – so viele, dass das System während des Downloads mehrfach abstürzte. Die Behörde schätzt, dass es sich um etwa 120.000 Seiten handeln könnte.

Eine solche Menge wirft Fragen auf: Warum so viele Dokumente zu einem einzigen Transfer? Das BOP räumte ein, dass nach dem Download eine Prüfung auf Relevanz und Dubletten erfolgen müsse. Die tatsächliche Zahl der freizugebenden Dokumente könnte also geringer ausfallen. Doch bereits jetzt ist klar: Die Verlegung Maxwells war alles andere als eine Routineangelegenheit.

Hintergründe: Wer profitierte von der Verlegung?

Die Verbindung zwischen Todd Blanche und Donald Trump wirft Spekulationen auf. Blanche, damals hochrangiger Justizbeamter, führte das Gespräch mit Maxwell – und diese betonte ihre Wertschätzung für Trump. Ob dies Einfluss auf die Verlegung hatte, bleibt offen. Fest steht: Die mysteriösen Umstände des Transfers und die immense Menge an Dokumenten deuten auf ein größeres Rätsel hin, das noch gelöst werden muss.

„Die schiere Menge an Dokumenten deutet darauf hin, dass hier mehr im Spiel war als nur eine administrative Entscheidung.“
– Experte für Justiztransparenz

Nächste Schritte: Was passiert mit den Dokumenten?

Das BOP muss nun die 120.000 Seiten sichten und entscheiden, welche Dokumente freigegeben werden. Sollte die Behörde die Freigabe verweigern oder stark einschränken, könnte dies weitere rechtliche Schritte nach sich ziehen. Das Reporters Committee for Freedom of the Press wird die Einhaltung des FOIA weiterhin überwachen.

Für die Öffentlichkeit bleibt die Frage: Warum wurde eine der umstrittensten Gefangenen der USA in ein scheinbar privilegiertes Gefängnis verlegt – und wer steckte dahinter?