Frisches Wasser unter dem Salzsee

Seit 1989 hat der Große Salzsee in Utah über 70% seiner ursprünglichen Fläche verloren. Die Folgen sind dramatisch: Das zurückweichende Wasser hinterlässt toxische Staubwolken, die aus dem freigelegten Seeboden aufsteigen. Gleichzeitig eröffnete die Austrocknung jedoch eine seltene Gelegenheit für Wissenschaftler, den Untergrund des Sees zu untersuchen.

Neue Erkenntnisse durch innovative Messmethoden

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Fachmagazin Geosciences, präsentieren Forscher um Michael Thorne von der Universität Utah überraschende Funde: In mehreren Metern Tiefe unter dem Seeboden stießen sie auf frisches Grundwasser, das nur wenige Meter unter der Oberfläche liegt. Diese Entdeckung könnte entscheidend für den Erhalt des Salzsees sein, der sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich von zentraler Bedeutung für die Region ist.

Die Wissenschaftler nutzten die elektrische Widerstandstomographie (ERT), eine Methode, die zwischen Süß- und Salzwasser unterscheiden kann. Da der Seespiegel gesunken ist, waren Messungen möglich, die zuvor unmöglich gewesen wären, erklärt Thorne:

"An Stellen, die früher unter Wasser lagen, konnten wir nun Messungen durchführen, die vorher undenkbar waren."

Aufwendige Feldarbeit für präzise Daten

Für die ERT-Messungen verlegten die Forscher Elektroden in regelmäßigen Abständen über Hunderte von Metern. Durch die Messung des elektrischen Widerstands zwischen den Elektroden konnten sie Rückschlüsse auf die Beschaffenheit des Untergrunds ziehen. Salzwasser leitet Strom besser als Süßwasser und zeigt daher einen geringeren Widerstand. Kombiniert mit Daten aus Bohrungen und Gesteinsanalysen erstellten die Forscher ein detailliertes Profil der Wasserverteilung in verschiedenen Tiefen.

Überraschende Funde: Süßwasser fast überall

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Süßwasser in vielen Bereichen des Seebodens vorkommt – oft nur wenige Meter unter der Oberfläche. Elliot Jagniecki, Geologe beim Utah Geological Survey und nicht an der Studie beteiligt, bestätigt:

"Die Daten belegen, dass Süßwasser an vielen Stellen vorhanden ist."

An einigen Messpunkten stießen die Forscher auf eine dünne Schicht aus Sole, direkt darunter jedoch auf Süßwasser. So fanden sie beispielsweise im Südosten des Sees in nur fünf Metern Tiefe frisches Grundwasser. An anderen Stellen, wie im Norden oder an der Südküste, lag das Süßwasser bereits in etwa zwei bis 2,8 Metern Tiefe.

Rätselhafte Strukturen geklärt

Die neuen Erkenntnisse helfen auch, bisher unerklärliche Formationen rund um den Großen Salzsee zu verstehen. Dazu gehören Salzablagerungen und Inseln, deren Entstehung nun besser nachvollzogen werden kann. Die Studie liefert damit nicht nur wertvolle Daten für den Umweltschutz, sondern wirft auch neue Fragen über die Dynamik des Grundwassers in der Region auf.