Trotz der US-Sanktionen gegen den iranischen Ölsektor kann das Land seine Produktion vorerst aufrechterhalten. Analysten zufolge verfügt Iran über zusätzliche Lagerkapazitäten und alternative Exportmöglichkeiten, um die Blockade zu umgehen.

Iran setzt auf Lagerbestände und flexible Strategien

Laut Antoine Halff, Chefanalyst des Energie-Datenunternehmens Kayrros, ist die Gefahr eines sofortigen Produktionsstopps gering. In einem bevorstehenden Blogbeitrag für das Energie-Think-Tank der Columbia University verweist er auf Irans Erfahrung mit Lageraufbau während der Covid-19-Krise sowie auf zusätzliche Speichermöglichkeiten und alternative Exportwege, die in den letzten zehn Jahren geschaffen wurden.

Gregory Brew von der Eurasia Group widerspricht früheren Schätzungen, wonach Iran nur über Lagerkapazitäten für zwei Wochen verfüge. Diese Annahme basierte darauf, dass während der Blockade keine Exporte möglich seien – eine Annahme, die sich bisher nicht bestätigt habe.

Alternative Einnahmequellen der Revolutionsgarden

Brew betont, dass selbst eine vollständige Blockade nicht zwangsläufig zu einem Produktionsstopp führen müsse. Der Iran könnte die Förderung ohne größeren Druckverlust in den Ölfeldern reduzieren. Zudem verfüge die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) über alternative Einnahmequellen wie den Schmuggel von Öl über Land oder in kleinen Tankern.

„Selbst wenn die US-Blockade vollständig erfolgreich wäre – was sie derzeit nicht ist – könnte die IRGC auf diese Alternativen zurückgreifen, um ihre Truppen zu bezahlen und ihre Macht im Land zu sichern“, so Brew in einer E-Mail.

Schwimmende Lager und strategische Reserven

Rohit Rathod, Analyst bei Vortexa, schätzt, dass Iran zum Stichtag 20. April über 20 Very Large Crude Carriers (VLCC) verfügte – Schiffe mit einer Kapazität von jeweils zwei Millionen Barrel. Diese könnten als schwimmende Lager genutzt werden und die Produktion für etwa zwei Monate aufrechterhalten, bevor eine Drosselung nötig wäre.

Zusätzlich verfügte Iran laut Vortexa über onshore-Lagerkapazitäten für etwa drei Wochen Produktionsmenge.

Experten uneins über langfristige Auswirkungen

Während einige Analysten die iranische Strategie als Verzögerungstaktik bewerten, die nur wenige Wochen überbrückt, gehen andere von einer längeren Anpassungsfähigkeit aus. Der ehemalige US-Finanzministeriumsbeamte Miad Maleki bezeichnete die Lagerstrategie in einem X-Post als „Tage, nicht Wochen“ überbrückende Maßnahme.

Die Blockade der Straße von Hormus hat bereits zu Produktionskürzungen in mehreren Golfstaaten geführt, da alternative Exportrouten fehlen. Die Wiederinbetriebnahme der Förderung ist riskant, da eine zu schnelle Steigerung langfristige Schäden an den Ölquellen verursachen könnte.

Markt bleibt auch nach Ende der Blockade instabil

Experten warnen, dass der Ölmarkt selbst nach einer Öffnung der Straße von Hormus noch lange nicht zur Normalität zurückkehren wird. US-Präsident Trump hatte zudem behauptet, Irans Pipelines könnten durch Sabotage gefährdet sein.

Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, insbesondere wie sich die iranische Führung angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen verhält.

Quelle: Axios