Normalerweise lehne ich inhaltliche Etiketten für Medien ab. Doch bei 'Der Teufel trägt Prada 2' muss ich eine Ausnahme machen. Der Film sollte zumindest für Millennial-Journalisten eine Trigger-Warnung tragen. Die spritzige Komödie entpuppt sich als schonungslose Abrechnung mit den gescheiterten Träumen einer Generation – erzählt am Niedergang des Magazinjournalismus.
Die Handlung beginnt bei einer Journalistenpreisverleihung, einem dieser typischen Events, bei denen sich Kollegen mit Plastiktrophäen für kaum gelesene Artikel ehren. Als die Protagonistin Andy Sachs (Anne Hathaway) gerade ihren Preis entgegennimmt, erhält sie eine Nachricht: Ihr gesamter Tisch wurde im Rahmen von Sparmaßnahmen entlassen. Tränenreich verlässt sie die Veranstaltung – und damit auch ihren Job und eine ganze Branche.
Doch das Schicksal hat andere Pläne für Andy. Ihre alte Nemesis Miranda Priestly, einst gefürchtete Chefredakteurin des Mode-Magazins Runway, gerät wegen eines fragwürdigen Artikels über Fast Fashion in die Kritik. Der Eigentümer des Magazins sieht Andys virale Rede und bietet ihr den Posten als Features-Redakteurin an – in der Hoffnung, damit die journalistische Glaubwürdigkeit des Blattes zu retten. Der Plot ist etwas konstruiert, doch das Ergebnis zählt: Andy kehrt in Mirandas Reich zurück, und das vertraute Katz-und-Maus-Spiel beginnt von Neuem.
Eine Zeitkapsel der 2000er
Der erste 'Teufel trägt Prada' erschien 2006 – vor Smartphones, vor dem Zusammenbruch der Verlagsbranche, vor der digitalen Revolution. Der Film wirkt heute wie eine vergessene Zeitkapsel: Jedes Detail verrät seine Entstehungszeit. Andys Freund ist nicht einfach nur Journalist, sondern Freiberufler. Ihre Freundinnen trinken Wein und Cosmopolitans. Andy selbst trägt einen Zehenring. Der erste Film drehte sich um journalistische Werte: Sie wollte ernsthafte Reporterin werden, lernte aber, dass auch Mode Bedeutung hat. Der Nachfolger kehrt diese Idee um. Die zentrale Frage lautet: Zählen Journalismus oder Mode überhaupt noch etwas?
Die Antwort des Films ist ein klares Ja. Doch gleichzeitig gesteht er ein, dass beide Branchen ihren einstigen Kultstatus verloren haben. Der erste Teil war eine beschwingte Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Frau in der Großstadt. Der Nachfolger zeigt, was passiert, wenn die Welt sich verändert hat – und diese Träume zerbrochen sind.
Mirandas Niedergang
Nicht nur Andy hat verloren. Auch Miranda Priestly (Meryl Streep) ist nicht mehr die unangefochtene Herrscherin ihres Reiches. Früher bestimmte sie, was die Welt trug. Heute muss sie ihren eigenen Mantel aufhängen, sich vor HR wegen politischer Korrektheit rechtfertigen und Werbekunden um Gnade bitten – während sie sich den technokratischen Geldmenschen beugt, die ihr Schicksal kontrollieren. Streep machte Miranda im ersten Teil zur eiskalten Diva. Im Sequel zeigt sie eine gebrochene Frau, deren einstige Macht verblasst ist in einer Welt, die sie nicht mehr versteht.