Der demokratische Kandidat für das Amt des kalifornischen Gouverneurs, Xavier Becerra, sorgte vor seinem Interview mit KTLA 5 für eine ungewöhnliche Situation. Noch bevor die Kamera lief, unterbrach er die Reporterin Annie Rose Ramos und fragte, ob es sich bei dem Beitrag um eine "gotcha piece" – eine gezielte Falle – handeln solle. Zudem forderte er, nicht nur harte Fragen zu stellen.
Becerra betonte, es handele sich um ein Porträt-Interview, nicht um eine kritische Befragung. "By the way, this is a profile piece. This is not a gotcha piece, right?", fragte er direkt in die Kamera. Ramos erwiderte, die Fragen seien fair, um ihn als Kandidaten kennenzulernen. "So long as it’s about the profile", hielt Becerra dagegen. "I don’t know how you define profile, but I’d like to begin the interview", entgegnete die Reporterin.
Laut Berrera sollte ein Profil-Interview sowohl seine bisherigen Leistungen als auch seine zukünftigen Pläne beleuchten – aber nicht ausschließlich kritische Fragen beinhalten. Die Situation sorgte für einen peinlichen Moment vor dem offiziellen Start des Interviews.
Als Ramos später von den KTLA-Moderatoren auf Becerras Kommentar angesprochen wurde, erklärte sie, sie sei von seiner Reaktion überrascht gewesen. Im Gegensatz zu Becerra hätten die anderen Kandidaten Tom Steyer (Demokraten) und Chad Bianco (Republikaner) keine solchen Vorbehalte geäußert.
Während des Interviews ging Ramos dann doch auf kritische Themen ein. Sie konfrontierte Becerra mit einem Bericht aus dem Jahr 2023, dem zufolge sein Gesundheitsministerium unter der Biden-Administration 85.000 Kinder nicht auffinden konnte, die als Migranten in die USA gekommen und von seinem Ressort zu überwachen waren. Becerra wies die Frage zurück und fragte, ob es sich um "Talking Points von Donald Trump" handele. Ramos klärte auf, dass die Informationen aus einem Artikel der New York Times stammten.
Zudem wurde Becerra mit einer früheren Aussage zu Vorwürfen sexueller Fehlverhalten gegen den ehemaligen Kongressabgeordneten Eric Swalwell konfrontiert. Während einer Debatte hatte Becerra bestätigt, dass "viele von uns die Gerüchte" über Swalwells Verhalten als Vorsitzender des demokratischen Caucus gehört hätten. Swalwell, einst Favorit in der Gouverneurswahl, zog sich nach dem Skandal aus dem Rennen zurück und trat aus dem Kongress aus. Gegen ihn laufen derzeit mehrere Ermittlungen wegen sexueller Belästigungsvorwürfe in Los Angeles, Manhattan und beim Justizministerium.