Die Tech-Elite preist künstliche Intelligenz als Lösung für alle gesellschaftlichen Probleme. Doch die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung reagiert mit Skepsis – wenn nicht sogar mit offener Ablehnung. In Box Elder, Utah, eskalierte die Stimmung kürzlich bei einer hitzigen Sitzung des County-Kommission: Sheriffbeamte mussten aufgebrachte Bürger zurückhalten, nachdem drei Kommissare trotz massiver Proteste den Bau eines hyperskalierten Rechenzentrums durchsetzten. Finanziert wird das Projekt vom kanadischen Milliardär Kevin O’Leary.

Besonders junge Arbeitnehmer fürchten um ihre Zukunft in einer Wirtschaft, in der ihre Arbeitskraft durch KI ersetzt werden könnte. Einige gehen bereits zum Gegenangriff über: Immer häufiger werden Überwachungskameras mit KI-Funktionen aus ihren Halterungen gerissen. Während die Bevölkerung die Risiken der Technologie erkennt, zeigt sich die Tech-Branche begeistert. Unternehmensberater sprechen offen über radikale Sparprogramme in Betrieben, und Tech-Größen wie OpenAI-Chef Sam Altman verkünden ungeniert, dass KI die Grundfesten der liberalen Demokratie erschüttern werde.

Die Diskrepanz zwischen den Perspektiven von KI-Entwicklern und der breiten Öffentlichkeit ist dabei größer, als viele vermuten. Eine aktuelle Studie des Stanford AI Lab bestätigt dies: Fast zwei Drittel der US-Erwachsenen erwarten, dass KI in den nächsten 20 Jahren die Zahl der Arbeitsplätze verringern wird. Gleichzeitig äußern viele Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Gesellschaft. Die befragten KI-Experten, Akademiker und Analysten zeigen sich dagegen deutlich optimistischer: 84 Prozent von ihnen erwarten positive Effekte im Gesundheitswesen – bei der allgemeinen Bevölkerung sind es nur 44 Prozent. Bei den wirtschaftlichen Auswirkungen sieht es ähnlich aus: 69 Prozent der Experten sind optimistisch, während nur 21 Prozent der Normalbürger daran glauben.

Interessanterweise gibt es jedoch auch Themen, bei denen sich beide Gruppen einig sind: Medien, persönliche Beziehungen und Wahlen werden von beiden Seiten kritisch gesehen.

Doch warum klafft diese Lücke so weit auseinander? Die Stanford-Studie liefert keine direkte Antwort, doch es gibt eine naheliegende Erklärung: Der Erfolg von KI hängt zwangsläufig mit der Schaffung einer dauerhaften Unterklasse zusammen. Viele Tech-Insider sind sich dessen bewusst – einige prahlen sogar damit. Die Rechnung ist simpel: Eine Masse an Arbeitslosen bedeutet, dass eine kleine Elite alles besitzen kann. Ob diese düstere Zukunftsvision Realität wird, ist noch ungewiss. Bisher gibt es kaum Belege dafür, dass KI tatsächlich in der Lage wäre, weltweit Arbeitsplätze in großem Stil zu ersetzen – sonst hätten Tech-Milliardäre die Technologie längst flächendeckend eingesetzt. Dennoch sollte man misstrauisch sein, wenn jemand behauptet, die wahren Fronten lägen woanders. Wahrscheinlicher ist, dass er ein KI-Startup an den Mann bringen will.

Quelle: Futurism