Ein mutiger Einstieg in den Pickup-Markt
Es ist überraschend, dass Kia erst jetzt einen Pickup ins Portfolio aufnimmt. Noch überraschender: Statt auf ein kompaktes, autoähnliches Modell wie den Honda Ridgeline zu setzen, bringt der Hersteller mit dem Tasman X-Pro ein vollwertiges Leiterrahmen-Fahrzeug auf den Markt. Ein mutiger Schritt – besonders in einem Segment, das traditionell von treuen Ute-Fans dominiert wird.
Technische Daten im Überblick
- Modell: Kia Tasman X-Pro Dual Cab 4×4
- Preis (Start): ab 42.990 AUD
- Abmessungen: 5.410 mm (L) x 1.930 mm (B) x 1.920 mm (H)
- Radstand: 3.270 mm
- Leergewicht: 2.300 kg
- Antrieb: 2,2-Liter-Turbodiesel (Reihenvierzylinder), Teilzeit-4WD
- Leistung: 154 kW (207 PS) / 441 Nm
- Federung: Doppelquerlenker mit Schraubenfedern (vorne) / Starrachse mit Blattfedern (hinten)
- Markteinführung: Sofort verfügbar
Design: Liebe auf den ersten Blick – oder doch nicht?
Kias Entscheidung, nicht auf Konventionen zu setzen, zeigt sich besonders im Design des Tasman. Die Frontpartie polarisiert: Die integrierten LED-Tagfahrlichter in den Kotflügeln wirken auf viele Betrachter befremdlich. Das Phänomen der Pareidolie – bei dem das Gehirn Gesichter in Objekten erkennt – macht den Pickup für viele unbewusst unangenehm. Die DRLs mildern den Effekt leicht ab, doch ein überarbeitetes Design wäre hier wünschenswert gewesen.
Betrachtet man den Rest des Fahrzeugs, fällt die Kritik deutlich milder aus. Die kantige Kabine und die klare Linienführung passen besser zum klassischen Pickup-Image als die hochgezogenen Gürtellinien vieler Konkurrenten. Allerdings fehlt im asiatischen Modell die 6,3-Liter-Staufach-Option der australischen Version, und selbst die Top-Ausstattung X-Pro verzichtet auf ein Schiebedach.
Interieur: Wo der Tasman überzeugt
Der Innenraum des Tasman X-Pro ist ein echter Lichtblick. Hochwertige Materialien, eine moderne Infotainment-Anlage und eine ergonomische Sitzposition sorgen für ein angenehmes Fahrerlebnis. Die Verarbeitung wirkt solide, und die Ausstattung umfasst serienmäßig Features wie ein digitales Cockpit und Apple CarPlay/Android Auto. Wer bereit ist, über das ungewöhnliche Design hinwegzusehen, wird hier belohnt.
Fahrverhalten: Komfort statt Geländetauglichkeit
Der Tasman X-Pro ist kein reiner Geländewagen, sondern ein komfortabel abgestimmter Pickup mit SUV-Charakter. Die unabhängige Doppelquerlenker-Vorderachse und die Starrachse hinten sorgen für eine stabile Fahrweise auf der Straße. Die 17-Zoll-Hankook-Reifen (265/70) bieten ausreichend Grip, auch wenn sie nicht für extremes Offroad-Terrain ausgelegt sind. Die Federung ist weich abgestimmt – ideal für lange Strecken, weniger für holprige Trails.
„Der Tasman X-Pro fühlt sich an wie ein SUV mit Pritsche – ein ungewöhnlicher, aber gelungener Spagat.“
Fazit: Ein Pickup für Individualisten
Kia hat mit dem Tasman X-Pro einen mutigen, aber nicht unumstrittenen Einstieg in den Pickup-Markt gewagt. Das Design wird polarisieren, doch das Interieur und der Fahrkomfort sind überzeugend. Wer bereit ist, über die ungewöhnliche Frontpartie hinwegzusehen, bekommt einen vielseitigen Allrounder mit hohem Komfortanspruch. Ob der Tasman jedoch die traditionellen Ute-Fans überzeugen kann, bleibt abzuwarten.