Klimadaten zeigen alarmierende Trends
Die ersten drei Monate des Jahres 2026 waren die viertwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Jeder dieser Monate übertraf die historischen Durchschnittswerte um einen größeren Abstand als der Vormonat. Obwohl zu Jahresbeginn schwache La Niña-Bedingungen für eine leichte Abkühlung sorgten, prognostizieren Wissenschaftler die Entwicklung eines starken – möglicherweise sogar „super“ – El Niño bis zum frühen Herbst.
El Niño und La Niña sind die warme bzw. kalte Phase der El Niño-Southern Oscillation (ENSO), eines wiederkehrenden Klimamusters im tropischen Pazifik, das globale Wetterphänomene beeinflusst. Basierend auf Temperaturdaten von fünf unabhängigen Forschungsgruppen geht Carbon Brief davon aus, dass 2026 voraussichtlich das zweitwärmste Jahr seit Messbeginn werden wird. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 19 % könnte es sogar das wärmste Jahr überhaupt werden – noch vor 2024. Ein starker El Niño im weiteren Jahresverlauf würde die Chancen deutlich erhöhen, dass 2027 das wärmste Jahr der Geschichte wird.
Rekordtief bei arktischem Meereis
Neben der extremen Wärme verzeichnete der Jahresbeginn 2026 auch historisch niedrige Werte beim arktischen Meereis. Das Jahr 2026 teilt sich mit 2025 den niedrigsten Winterhöchststand seit Beginn der Satellitenmessungen.
Datenanalyse: Fünf Forschungsgruppen bestätigen Trend
Im aktuellen vierteljährlichen Klimabericht analysierte Carbon Brief die globalen Oberflächentemperaturdaten von fünf führenden Forschungseinrichtungen:
- NASA GISTEMP
- NOAA GlobalTemp
- Met Office Hadley Centre/UEA (HadCRUT5)
- Berkeley Earth
- Copernicus/ECMWF (ERA5)
Die Grafiken zeigen die jährlichen globalen Durchschnittstemperaturen seit 1970 sowie die Werte der ersten drei Monate 2026 (farbige Punkte). Die Abweichungen beziehen sich auf den Referenzzeitraum 1981–2010 und sind im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850–1900) dargestellt. Carbon Brief berechnet seine Temperaturprognosen, indem es die Daten der verschiedenen Quellen mit einem gemeinsamen Basiszeitraum (1981–2010) mittelt und die durchschnittliche Erwärmung seit der vorindustriellen Ära (1850–1900) hinzufügt – eine Methode, die auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in ihren Klimaberichten anwendet.
2026 auf Rekordkurs
Die Grafik zeigt, wie sich die globalen Temperaturen im Jahr 2026 (schwarze Linie) im Vergleich zu den Monaten anderer Jahre seit 1940 entwickeln. Die Linien sind nach Jahrzehnten farblich gekennzeichnet. Die ersten drei Monate 2026 liegen in den Top 5 der wärmsten Monate seit Aufzeichnungsbeginn.
„Die aktuellen Daten bestätigen den langfristigen Erwärmungstrend. Selbst mit vorübergehenden Abkühlungseffekten wie La Niña bleibt die Grundtendenz klar: Die Erde wird wärmer.“
Dr. Friederike Otto, Klimawissenschaftlerin am Imperial College London
Ausblick: El Niño könnte 2027 zum Rekordjahr machen
Sollte sich ein starker El Niño entwickeln, würde dies nicht nur die Temperaturen 2026 weiter anheizen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass 2027 das wärmste Jahr seit Messbeginn wird. Die Kombination aus natürlichen Klimazyklen und menschengemachtem Klimawandel verschärft die globalen Extremwetterereignisse – von Hitzewellen bis zu Starkniederschlägen.
Fazit: Handlungsdruck steigt
Die aktuellen Klimadaten unterstreichen die Dringlichkeit von Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Die Entwicklung eines starken El Niño in den kommenden Monaten könnte die bereits jetzt extremen Wetterbedingungen weiter verschärfen. Experten warnen vor den Folgen für Ökosysteme, Landwirtschaft und menschliche Gesundheit.