Glasfaserkabel sind zu einem entscheidenden Faktor in modernen Kriegen geworden. Von der Ukraine bis in den Sahel werden Drohnen über kilometerlange Kabel gesteuert, um sie vor elektronischer Kriegsführung zu schützen. Doch diese Technologie, einst kostengünstig, wird durch Krieg und die Nachfrage nach Rechenzentren immer teurer.

Drohnenkrieg: Wie Glasfaserkabel die Taktik verändern

Quadrokopter-Drohnen, die über Glasfaserkabel gesteuert werden, sind für Militärs eine effektive Lösung, um elektronische Störversuche zu umgehen. Während des Krieges in der Ukraine setzte Russland 2023 erstmals diese Technik ein. Die Kabel werden in einem Rohr unter der Drohne aufgerollt und entrollen sich während des Fluges. Die Datenübertragung erfolgt direkt über das Kabel – ohne Funkwellen, die gestört werden könnten.

Ukraine verlor zunächst viele Fahrzeuge durch diese Drohnen, doch bald übernahm auch die ukrainische Armee die Taktik. Heute liegen die Felder des Landes voller verworfener Kabel. Vor wenigen Jahren noch eine günstige Lösung, ist der Einsatz heute jedoch kaum noch wirtschaftlich.

„Glasfaser wird zwar noch eingesetzt, aber längst nicht mehr so häufig wie früher. Die Kosten sind extrem gestiegen. Früher haben wir eine 50-Kilometer-Spule für 300 Dollar gekauft, jetzt kostet sie leicht 2.500 Dollar.“
Dimko Zhluktenko, ukrainischer Soldat

Preisanstieg um über 1.000 Prozent in drei Jahren

Seit 2023 steigen die Preise für Glasfaserkabel kontinuierlich. Ein chinesischer Hersteller, Sun Telecom, warnt vor einer „Glasfaser-Hungersnot“ ab 2026. Im Januar 2024 kostete ein Kilometer des G.652D-Kabels noch 2,20 Dollar. Bis Dezember 2025 stieg der Preis auf 3 Dollar, im Januar 2026 bereits auf 4,10 Dollar.

Nachfrage durch KI und Rechenzentren

Ein Hauptgrund für den Preisanstieg ist die massive Nachfrage nach Glasfaserkabeln für den Ausbau von Rechenzentren. Unternehmen investieren Milliarden in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Wendell Weeks, CEO des Kabelherstellers Corning, bestätigte gegenüber CNBC, dass Hyperscaler wie Meta zu seinen wichtigsten Kunden zählen. Corning schloss kürzlich einen 6-Milliarden-Dollar-Deal mit Meta ab.

Auch in den USA häufen sich die Warnungen vor Lieferengpässen. Das Telekommunikationsunternehmen Brightspeed warnte bereits im Januar vor „Versorgungsengpässen bei Glasfaserkabeln“. Zwei weitere US-Internetprovider berichteten gegenüber Broadband Breakfast, dass Bestellungen plötzlich storniert wurden. Die Lieferzeiten verschieben sich zunehmend.

Zukunft der Glasfasertechnik im Krieg und der Wirtschaft

Experten gehen davon aus, dass die Preise weiter steigen werden, solange Krieg und KI-Infrastruktur die Nachfrage antreiben. Militärs suchen nach Alternativen, doch Glasfaserkabel bleiben für Drohnensteuerung und Datenübertragung unverzichtbar. Die Kombination aus technologischem Fortschritt und geopolitischen Konflikten macht die Situation noch komplexer.

Quelle: 404 Media