Im Dezember letzten Jahres sorgte eine Meldung für Aufsehen: Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) bewilligte rund 1,6 Millionen US-Dollar für eine dänische Forschergruppe, die die Auswirkungen des Hepatitis-B-Impfstoffs auf Säuglinge in Guinea-Bissau untersuchen soll. Die geplante fünfjährige Studie sieht vor, die Ergebnisse zwischen Kindern zu vergleichen, die direkt nach der Geburt geimpft werden, und solchen, die erst im Alter von sechs Wochen eine Impfung erhalten.

Als Medizinstudent und Forscher zeigte ich mich schockiert über die offensichtliche Ungerechtigkeit dieses Versuchs. Bereits durchgeführte randomisierte kontrollierte Studien belegen, dass eine Hepatitis-B-Impfung bei der Geburt deutlich bessere Ergebnisse liefert. Noch besorgniserregender ist jedoch der Kontext der Studie: Guinea-Bissau zählt zu den Ländern mit der höchsten Hepatitis-B-Prävalenz weltweit. Gleichzeitig liegt die Impfrate deutlich unter dem globalen Durchschnitt, und etwa 60 Prozent der Bevölkerung leben in Armut.

Die Entscheidung der CDC wirft grundlegende Fragen auf: Warum wird eine bereits bewiesene medizinische Praxis erneut getestet – und das in einem Land, das mit den Folgen von Armut und mangelnder Gesundheitsversorgung kämpft? Die Studie scheint weniger auf wissenschaftlichen Fortschritt als vielmehr auf die Ausnutzung einer vulnerablen Bevölkerungsgruppe hinauszulaufen.

Medizinische Forschung sollte immer dem Wohl der Patienten dienen. Doch in diesem Fall wird der Eindruck erweckt, als würde die Gesundheit von Säuglingen in Guinea-Bissau als Experimentierfeld missbraucht. Solche Praktiken erinnern an dunkle Kapitel der Medizingeschichte, in denen marginalisierte Gruppen ohne ausreichende Aufklärung oder Zustimmung in Studien einbezogen wurden.

Es ist höchste Zeit, dass ethische Standards in der globalen Gesundheitsforschung konsequent eingehalten werden. Studien wie diese dürfen nicht länger unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit durchgeführt werden, wenn sie offensichtlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen benachteiligen.

Quelle: STAT News