Hitzewellen in Brasilien: Landwirtschaft im Klimastress

Vor zwei Jahren traf eine extreme Hitzewelle weite Teile Brasiliens. Ende April 2024 stiegen die Temperaturen in den zentralen und südlichen Regionen auf Rekordwerte. Viele Regionen litten noch unter den Folgen einer vorherigen Hitzewelle im Süden des Landes. Bereits im März 2024 erreichte der Hitzeindex in Rio de Janeiro 62 Grad Celsius – der höchste Wert seit einem Jahrzehnt.

Diese Ereignisse sind Teil eines mehrjährigen Musters extremer Hitzeperioden, die Brasilien, eine der größten Agrarnationen der Welt, treffen. Besonders betroffen sind die Anbaugebiete von Soja und Mais in Bundesstaaten wie São Paulo. Auch Erdnüsse, Kartoffeln, Zuckerrohr und Arabica-Kaffee verzeichneten erhebliche Ernteverluste. Im zentralen Westen Brasiliens litten Schweine unter extremer Hitzebelastung über Monate. Als eine blockierte Kaltfront schließlich zu schweren Regenfällen und Überschwemmungen im Bundesstaat Rio Grande do Sul führte, wurden die Lieferketten für Garnelen in ganz Brasilien unterbrochen.

UN-Bericht warnt vor globalen Folgen

Diese Entwicklungen sind in einem neuen gemeinsamen Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) dokumentiert. Der Bericht analysiert die Auswirkungen extremer Hitze auf die globale Landwirtschaft und zeigt Lösungsansätze für eine widerstandsfähigere Nahrungsmittelproduktion in einer wärmeren Welt auf.

Brasilien wird in dem 94-seitigen Dokument als einziger detaillierter Fallstudie hervorgehoben. Die Exporte des Landes stehen unter besonderem Druck durch steigende Temperaturen und die Schwankungen natürlicher Wetterphänomene wie El Niño und La Niña. Doch auch andere Länder werden im Bericht genannt:

  • Chile: 2016 führten wärmere Meeresströmungen zu massiven Algenblüten, die rund 100.000 Tonnen gezüchteten Lachs und Forelle töteten – das größte Sterben in der Aquakulturgeschichte.
  • USA (Pacific Northwest): Die Hitzewelle 2021 zerstörte gesamte Himbeer- und Brombeerernte, reduzierte die Holzmenge von Weihnachtsbaumplantagen um 70 Prozent und steigerte die verbrannte Waldfläche in Nordamerika um 21 bis 24 Prozent.
  • Indien: Nach einer Rekordhitzewelle 2022 brachen die Weizenerträge in über einem Drittel der Bundesstaaten um 9 bis 34 Prozent ein. Milchkühe produzierten bis zu 15 Prozent weniger Milch, und der Anbau von Kohl und Blumenkohl halbierte sich.
  • Kirgisistan: Im Fergana-Gebirge stiegen die Temperaturen im Frühling 2023 um 28 Grad Celsius über den Durchschnitt – eine so extreme Abweichung, die zu einer Heuschreckenplage und einem dramatischen Rückgang der Getreideernte führte.

Menschgemachte Erwärmung beschleunigt sich

Die vergangenen elf Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Der neue Bericht unterstreicht, dass die globale Erwärmung durch menschliches Handeln in einem beispiellosen Tempo voranschreitet. Die Folgen für die Landwirtschaft sind bereits heute spürbar und werden sich ohne drastische Maßnahmen weiter verschärfen.

"Die Klimakrise ist keine Zukunftsmusik mehr – sie trifft uns heute und bedroht die Ernährungssicherheit weltweit." – Zitat aus dem gemeinsamen Bericht von WMO und FAO

Brasilien als Brennglas der Klimafolgen

Als einer der größten Agrarproduzenten und Exporteure ist Brasilien besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels. Die Kombination aus extremen Temperaturen, Dürren und unvorhersehbaren Wetterphänomenen setzt die Lebensmittelversorgung unter Druck. Der Bericht zeigt, dass nur durch globale Zusammenarbeit und innovative Anpassungsstrategien die Ernährungssicherheit langfristig gesichert werden kann.

Quelle: Grist