Tatiana Lafortune arbeitet als Pflegeassistentin in einem Rehabilitationszentrum für Schädel-Hirn-Verletzungen nahe Tampa, Florida. Wie viele Eltern möchte sie, dass ihre beiden Töchter eine gute Ausbildung erhalten, sich gesund ernähren und bei Krankheit einen Arzt aufsuchen können. Während öffentliche Schulen und die Lebensmittelausgabe ihrer Kirchengemeinde die ersten beiden Ziele unterstützen, scheitert die medizinische Versorgung an der fehlenden Krankenversicherung.

Ihr Arbeitgeber bietet zwar eine Gruppenversicherung an, doch die monatlichen Beiträge übersteigen das Budget der Familie. Gleichzeitig verdienen Lafortune und ihr Mann zu viel, um für ihre Töchter eine subventionierte Krankenversicherung über Florida KidCare zu erhalten – das staatliche Programm für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Selbst die Vollpreisvariante von KidCare, die monatlich 525 US-Dollar kostet, ist für die Familie unerschwinglich. Stattdessen hat Lafortune eine Familienversicherung über den Affordable Care Act abgeschlossen, die zwar 500 US-Dollar pro Monat kostet, aber weder Zahnarztleistungen noch ausreichende Kostenerstattung bietet.

„KidCare wäre die bessere Lösung für meine Kinder“, sagt Lafortune. „Aber wenigstens habe ich jetzt überhaupt eine Versicherung für sie.“

Geplante Ausweitung von KidCare seit 2023 blockiert

Im Jahr 2023 stimmten die Abgeordneten Floridas einstimmig für die Ausweitung von KidCare. Dadurch sollten Familien wie die von Lafortune Zugang zu subventionierter Krankenversicherung erhalten – die Obergrenze für die Einkommensgrenze wurde angehoben, sodass über 40.000 weitere Kinder versichert werden könnten. Doch die Umsetzung verzögert sich seit Jahren, obwohl die Bundesregierung die Erweiterung bereits genehmigt hat. Verantwortlich dafür ist die Regierung von Gouverneur Ron DeSantis, die die Änderungen nicht umsetzt.

Stattdessen steckt das Programm in einem Dschungel aus Klagen und Verhandlungen zwischen dem Bundesstaat und den Bundesbehörden fest. Währenddessen könnte Florida gegen geltendes Recht verstoßen. „Ich verstehe nicht, worauf sie noch warten“, sagt Lafortune. „Die Menschen in Florida haben Bedarf – das müsste doch offensichtlich sein.“

Auf Anfrage zu den Verzögerungen verwies das Büro von DeSantis auf eine Pressekonferenz vom 31. März, in der der Gouverneur Fragen an die Agentur für Gesundheitsverwaltung Floridas (AHCA) weiterleitete, die für KidCare zuständig ist. Die Behörde reagierte nicht auf wiederholte Interviewanfragen oder Anfragen nach Informationen zur verzögerten Umsetzung.

Bundesregelung vs. staatliche Politik: Wer hat Vorrang?

Im Mittelpunkt des Konflikts steht eine Bundesregelung aus der Amtszeit von Präsident Biden, die alle Bundesstaaten verpflichtet, Kindern in Medicaid und im Children’s Health Insurance Program (CHIP) – in Florida als KidCare bekannt – für mindestens 12 Monate eine durchgehende Versicherung zu garantieren. Selbst bei ausbleibenden Beitragszahlungen der Eltern darf die Versicherung nicht gekündigt werden.

Florida ist der einzige Bundesstaat, der diese Regelung vor Gericht anfechtet. Die Regierung klagt gegen die Bundesregierung, um das Recht zu erhalten, Kindern wegen unbezahlter Prämien den Versicherungsschutz zu entziehen. Gleichzeitig blockiert sie die geplante Ausweitung von KidCare. „Wir mussten uns mit den Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) in zahlreichen Punkten abstimmen“, erklärte DeSantis während der Pressekonferenz.

Auch der Bundesstaat Texas hat sich kürzlich gegen die Bundesregelung ausgesprochen. Im Dezember 2023 forderte die damalige Leiterin der texanischen Gesundheitsbehörde, Cecile Erwin Young, den CMS-Administrator Mehmet Oz in einem Schreiben auf, die CHIP-Regelungen rückgängig zu machen, die eine durchgehende Versicherung für Kinder vorschreiben.

Folgen für betroffene Familien

Die Verzögerungen haben direkte Auswirkungen auf Familien wie die von Lafortune. Viele Eltern müssen sich zwischen Grundbedürfnissen wie Miete, Nahrung und medizinischer Versorgung entscheiden. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz steigt das Risiko für unbehandelte Krankheiten und chronische Gesundheitsprobleme bei Kindern.

Experten warnen, dass Florida damit gegen seine verfassungsmäßige Pflicht zur Bereitstellung von Gesundheitsversorgung für Kinder verstößt. Gleichzeitig verschärft sich die Situation durch die steigende Zahl unversicherter Kinder im Bundesstaat. Laut aktuellen Daten leben in Florida über 200.000 Kinder ohne Krankenversicherung – eine Zahl, die seit Jahren kontinuierlich steigt.

Was kommt als Nächstes?

Die rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen Florida und der Bundesregierung dauern an. Sollte der Bundesstaat die KidCare-Ausweitung weiter blockieren, könnten weitere Klagen folgen – möglicherweise sogar auf Bundesebene. Familien wie die von Tatiana Lafortune hoffen indes auf eine schnelle Lösung. „Meine Kinder brauchen medizinische Versorgung – und zwar jetzt“, betont sie.