Präsident Donald Trump beendete weniger als einen Tag nach dem Attentat auf das Weiße Haus während des Correspondents' Dinner seine scheinbare Versöhnung mit der Presse – ausgelöst durch eine einzige unangenehme Frage.
In einem exklusiven Interview mit 60 Minutes äußerte sich Trump gelassen über die Gefahr: „Ich war nicht besorgt. Ich verstehe das Leben. Wir leben in einer verrückten Welt.“
Trump, der bereits drei Attentatsversuche in zwei Jahren überstanden hat, relativierte die aktuelle Bedrohungssituation. „Gehen Sie 20, 40, 100, 200 oder 500 Jahre zurück – politische Gewalt hat es schon immer gegeben. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie heute schlimmer ist als damals.“
Stattdessen machte er vor allem die Demokraten für die Eskalation verantwortlich: „Ich glaube, die Hassrede der Demokraten ist viel gefährlicher. Das ist sehr gefährlich für das Land.“
Scheinbare Versöhnung nach dem Attentat
Unmittelbar nach dem Schusswechsel zeigte sich Trump noch versöhnlich. Im Weißen Haus lobte er den „enormen Zusammenhalt und die Liebe“, die nach der Tat spürbar gewesen seien. „Ich war bereit, richtig hart zu werden. Ich weiß nicht, ob ich jemals so scharf hätte sein können wie geplant.“
Am nächsten Tag beschrieb er die Stimmung beim Dinner als „wie ein Zusammenrücken des ganzen Landes. Das war beeindruckend.“
Truce zerbricht an einer Frage
Doch die Waffenruhe hielt nicht lange. Als 60 Minutes-Moderatorin Norah O’Donnell ihn fragte, ob die Attacke sein Verhältnis zur Presse ändern werde, wechselte Trump abrupt das Thema – und attackierte erneut die Demokraten. „Sie und die Presse sind fast ein und dasselbe.“
Als O’Donnell ihm eine Passage aus dem mutmaßlichen Tätermanifest vorlas – „Ich bin nicht mehr bereit, einem Pädophilen, Vergewaltiger und Verräter zu erlauben, seine Hände mit seinen Verbrechen zu beschmutzen“ –, reagierte Trump empört. „Ich bin kein Vergewaltiger. Ich habe niemanden vergewaltigt. Ich bin kein Pädophiler.“
Stattdessen warf er den Demokraten Verbindungen zu Jeffrey Epstein vor. „Sie sollten sich schämen, so etwas vorzulesen. Sie sind eine Schande.“ O’Donnell betonte, es handle sich um die Worte des mutmaßlichen Attentäters, doch Trump blieb bei seiner Darstellung.
Trumps anhaltende Medienfeindseligkeit
Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit führt Trump einen erbitterten Kampf gegen die Presse. Er verklagte große Medienhäuser – darunter den 60 Minutes-Mutterkonzern Paramount – auf Milliardenbeträge. Die Associated Press wurde aus dem Oval Office ausgeschlossen, die White House Correspondents’ Association verlor ihre jahrzehntelange Rolle bei der Auswahl der Pressepool-Vertreter, und einzelne Journalisten wurden regelmäßig namentlich angegriffen.
Besonders empfindlich reagiert Trump auf Berichte über Jeffrey Epstein. So verklagte er das Wall Street Journal auf 10 Milliarden Dollar wegen dessen Epstein-Berichterstattung.