Berlin – Die deutsche Regierung sieht Iran als Gewinner in den Verhandlungen mit den USA. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte am Mittwoch vor Schülern in Marsberg, dass die iranische Führung – insbesondere die Revolutionsgarden – „eine ganze Nation demütigt“. „Es ist offensichtlich, dass die Amerikaner über keine kohärente Strategie verfügen“, so Merz.

Sein Kommentar unterstreicht die wachsende Kritik an Präsident Donald Trumps Vorgehen im Konflikt mit dem Iran. Merz betonte: „Das grundlegende Problem solcher Konflikte ist immer dasselbe: Man muss nicht nur hinein, sondern auch wieder herauskommen.“

Merz’ Aussagen deuten auf eine Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen hin. Noch im März hatte er sich mit Trump getroffen und betont, man sei sich einig, „dieses schreckliche Regime in Iran zu beseitigen“. Damals äußerte er sich optimistisch über die Zeit „danach“ – doch die Realität sieht anders aus.

Bereits wenige Tage nach Beginn der US-Luftangriffe auf den Iran im März erklärte Merz, man werde keine Schiffe in die Region entsenden. Verteidigungsminister Boris Pistorius bestätigte dies später. Zudem räumte Merz ein, dass die europäischen Verbündeten vor den Angriffen nicht konsultiert wurden. „Hätte ich gewusst, dass sich der Konflikt über Wochen verschärft, hätte ich meine Bedenken noch deutlicher vorgebracht“, sagte er.

Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges belasten vor allem Deutschland. Merz warnte: „Dieser Krieg hat direkte Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und muss so schnell wie möglich beendet werden.“ Steigende Energiepreise und Lieferengpässe belasten die deutsche Industrie – ein zentrales Thema in der aktuellen Debatte.

Iran nutzt seine strategische Position, darunter die Schließung der Straße von Hormuz, um Druck auf die USA auszuüben. Experten sehen darin einen Beleg für das Scheitern von Trumps Verhandlungsstrategie. Die anhaltende Pattsituation schadet dem internationalen Ansehen der USA, während Teheran seine Position stärkt.

Die Spannungen zwischen Washington und Berlin verdeutlichen die wachsende Kluft in der westlichen Allianz. Während Trump auf eine militärische Lösung setzt, fordert Europa diplomatische Lösungen – und warnt vor weiteren Eskalationen.