Meta plant Gesichtserkennung in Smart-Glasses – massive Kritik
Nach Enthüllungen über die Auswertung privater Videos durch Meta-Auftragnehmer in Kenia steht das Unternehmen erneut in der Kritik. Die geplanten „Name Tag“-Funktionen in den Ray-Ban AI Glasses, die Gesichter erkennen und Informationen anzeigen sollen, stoßen auf scharfe Ablehnung. Eine Koalition aus über 70 zivilgesellschaftlichen Gruppen, darunter der ACLU und GLAAD, hat in einem offenen Brief an Meta-Chef Mark Zuckerberg die sofortige Stornierung des Projekts gefordert.
Internes Dokument zeigt strategische Überlegungen
Laut einem internen Dokument, das die New York Times einsehen konnte, plante Meta, die Gesichtserkennung zunächst auf einer Konferenz für Blinde vorzustellen. Die Begründung: Viele Menschenrechtsorganisationen würden sich in der aktuellen politischen Lage auf andere Themen konzentrieren.
„Wir starten in einer dynamischen politischen Umgebung, in der viele zivilgesellschaftliche Gruppen, die uns normalerweise angreifen würden, ihre Ressourcen auf andere Sorgen konzentrieren.“
Kritik: Technologie gefährdet Demokratie und Minderheiten
Die Koalition wirft Meta vor, die „wachsende Autoritätshörigkeit und Missachtung von Rechtsstaatlichkeit“ in den USA auszunutzen, um ein Produkt zu vermarkten, das besonders verletzliche Gruppen gefährdet. In dem Schreiben heißt es:
„Dieses Verhalten ist verwerflich und steht einer Firma, die unsere Kinder, Gesellschaft und Zukunft prägt, unwürdig.“
Besonders problematisch: Passanten können der Gesichtserkennung nicht zustimmen. Die Technologie könnte laut Kritikern von Stalkern, Betrügern oder staatlichen Behörden missbraucht werden – etwa zur Identifizierung von Migranten durch die unter Trump militarisierte Einwanderungsbehörde ICE.
Forderungen der Koalition
- Sofortiger Stopp der Gesichtserkennung in den Smart-Glasses
- Öffentliche Distanzierung von den Plänen
- Keine „kosmetischen“ Lösungen wie Opt-out-Mechanismen, da diese das Problem nicht lösen
Die Unterzeichner der Petition umfassen neben dem ACLU und GLAAD auch Organisationen wie Mothers Against Media Addiction, Reproductive Equity Now und die Women’s Bar Association of Massachusetts. Sie verweisen auf Metas langjährige Kritik an der „Move fast and break things“-Mentalität, die Verbraucher, Minderheiten und demokratische Werte gefährde.
Hintergrund: Vorwürfe gegen Meta mehren sich
Bereits im vergangenen Monat deckten zwei schwedische Zeitungen auf, dass Meta-Auftragnehmer in Kenia private Videos von Nutzern der Ray-Ban-Glasses auswerteten. Die Geräte ermöglichen es, unbemerkt Aufnahmen in der Öffentlichkeit zu machen – ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. Die Bezeichnung „Pervert Glasses“ (Perv-Glasses) prägte sich in sozialen Medien.
Experten warnen, dass die Kombination aus Gesichtserkennung und Smart-Glasses die Überwachung im öffentlichen Raum revolutionieren könnte – mit unabsehbaren Folgen für Grundrechte.